Es spricht der Chor der gläubigen Bürger. Doch kaum fängt einer an zu reden, da fällt ihm der andere schon ins Wort. Der Chor findet keine gemeinsame Sprache und doch ist es ein Chor, der ein Gegenüber kennt: die Ungläubigen. Globalisierung, Migration und der gleichzeitige Verlust religiöser Bindungen haben aus unseren Städten Orte der Vielfalt gemacht, religiöse Megacities. Aber was glauben die Menschen? Glauben sie, dass ihr Glaube Privatsache ist? Glauben die Menschen, dass ihr Glaube politisch ist? Glauben sie an die Freiheit der Andersdenkenden, an eine bessere Welt? Wie beeinflussen sie das soziale und politische Leben der Stadt? Welche Erwartungen haben die Gläubigen an Demokratie und Rechtsstaat? Es erzählen die gläubigen und ungläubigen Bürger der Städte - der Bruder, der Sozialarbeiter, der DHL-Bote, die Lehrerin, die Journalistin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.05.2016
Rezensent Philipp Bovermann scheint begeistert von Björn Bickers Theaterstück über die verschiedenen Erscheinungsformen des Glaubens als Lesefassung. Erweitert mit Fotos und Recherchedokumenten, erscheint Bovermann der Text beim Lesen als ökumenisches Gebet, als Möglichkeit der Ökumene aus dem Geist des Palavers. Dass die Stimmen, die um Essensverbote kreisen, Steuern oder Kindererziehung, ort- und personenlos bleiben, kann Bovermann verkraften. Alles wird eins im zwischenmenschlichen Gespräch, scheint für ihn die Lehre zu sein, die das Buch vermittelt. Und sie gefällt ihm.
Äußerst knapp, aber doch hymnisch bespricht Jan Feddersen Björn Bickers Buch "Was glaubt ihr denn?", das aus einem Theaterprojekt entstanden ist. Der Theaterautor versammelt hier Stimmen von Gläubigen jeglicher Religion, lässt eine Journalistin oder eine Lehrerin ebenso über ihre Spiritualität sprechen wie einen Paketfahrer und protokolliert die spirituellen Bekenntnisse mit liebevoller Sorgfalt, informiert der Kritiker. Und so erscheint ihm dieses ebenso schöne wie wichtige Buch über Religion wie ein "echotlotartiger" Bericht aus den "babylonischen Undergrounds" der modernen Welt.
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