Mit sechs Jahren kommt Heinz 1965 in ein Heim der Caritas. Er fällt einer sadistischen Erzieherin und einem sexuell gewalttätigen Priester in die Hände. Als Waise ist er schutzlos Missbrauch und Misshandlung ausgeliefert. Mit 16 verlässt er das Heim: endlich frei, aber ohne Perspektive. Heute ist er 66. In den 50 Jahren dazwischen gründet er eine Familie und geht einem Beruf nach. Das, was er als Kind erlitten hat, behält er lange für sich. Erst seit einigen Jahren erzählt er von seinen Erinnerungen, schreibt sie auf und sucht Verbündete im Ringen um Gerechtigkeit. Er kämpft dafür, dass die Schuldgeschichte der kirchlichen Heime endlich aufgearbeitet wird. Denn Heinz ist kein Einzelfall. Was er zu sagen hat, spricht für sich. Und er spricht für viele.Christiane Florin erzählt die Geschichte eines Mannes zwischen Mut, Wut und Verzweiflung. Sie konfrontiert die Institutionen mit seiner Biografie - und bekommt Lippenbekenntnisse. Was war? Wie war es möglich? Wer übernimmt Verantwortung? Eine Recherche, die bewegt.
Rezensent Stefan Hunglinger lobt Christiane Florins "erschütterndes" Buch zu sexuellem Kindesmissbrauch in den Heimen der Caritas. Sie schildert darin den Fall von Heinz Thelen (ein Pseudonym), der in den sechziger Jahren als Waise in ein solches Heim in Duisburg kam und dort über sieben Jahre hinweg missbraucht wurde - was alles andere als eine "Entgleisung" Einzelner war, sondern Teil des "pädagogischen Konzepts", wie Florin klar macht. Sie beziehe sich dabei kritisch auf Archivmaterial und Studien zum Thema, und vor allem lasse sie Thelen ausführlich zu Wort kommen, lobt Hunglinger. Außerdem weise die Autorin auf die Verantwortung nicht nur auf kirchlicher, sondern auch auf staatlicher Seite hin, die - anders als etwa in Irland - noch keine Aufarbeitung veranlasst hat; vor allem wohl aus Kostengründen, muss Hunglinger lesen. Einzig das Lektorat hebt er negativ hervor. Ein "konfrontatives" Buch, das mit einer nun von der Caritas in Auftrag gegebenen Studie sogar schon Wirkung gezeigt hat, aber bei Weitem noch nicht genug, schließt der Kritiker.
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