Curzio Maltese

Scheinheilige Geschäfte

Die Finanzen des Vatikans
Cover: Scheinheilige Geschäfte
Antje Kunstmann Verlag, München 2009
ISBN 9783888975585
Gebunden, 157 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann und Petra Kaiser. Nach dem Skandal um die Mafia-Verstrickungen der Vatikanbank in den 1980er Jahren galten die Finanzen des kleinsten Staates der Welt als zerrüttet. Heute sind dessen Kassen wohl gefüllt: dank Spendenrekorden, einer umfassenden Steuerbefreiung und lukrativen Nebeneinkünften. Topmanager kümmern sich um die Geschäfte. Um die Transparenz ist es weniger gut bestellt: Was der Kirche an Geldern zufließt und wofür sie sie ausgibt, ist ein streng gehütetes Geheimnis. Curzio Maltese blickt hinter diese Mauer des Schweigens. Gestützt auf Kirchendokumente, fördert seine Recherche Verblüffendes zutage. Entgegen aller Annahmen kommt nur ein Fünftel der Einkünfte aus der Kirchensteuer wohltätigen Zwecken zugute. Die Kirche ist Italiens größter Immobilienbesitzer und Tourismusmanager und zahlt keinen Cent Steuern, wenn sie Hotels betreibt oder einträgliche (Pilger)Reisen organisiert. Der Vatikan, für internationale Anleger ein Steuerparadies, kostet den italienischen Steuerzahler mehr als Staatsverwaltung und Parlament zusammengenommen. Doch Kritiker dieses gänzlich undemokratischen Systems bekommen schnell den langen Arm der Kurie zu spüren: In Italien läuft nichts mehr ohne Plazet des Vatikans, der sich immer ungehemmter in die Politik des laizistischen Staates einmischt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2009

"Schockierend erhellend" findet Rezensent Franz Haas dieses Buch von Curzio Malaparte ("einer des besten Scharfschützen des italienischen Journalismus") über die Finanzen des Vatikans. Denn es decke vieles auf, was man bisher nicht wusste, positioniere den Vatikan als Macht auch im italienischen Staatswesen, wo er immer wieder "exzessiv" Einfluss auf die Politik nehme. Auch mit Lob für das soziale Engagement der Kirche spare der Autor bei aller Kritik nicht, doch hier bereits wird es für den Rezensenten unscharf, weil die Zahlen, die dies Engagement belegen sollen, unreflektiert von der Website der Bischofskonferenz übernommen worden seien, schreibt der Rezensent. Wenn es schließlich um die Vatikanbank IOR geht, scheint es mit dem Autor ganz durchzugehen, wird es, so Haas, "wild, phantastisch und vage".

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