Birgit Birnbacher

Wir ohne Wal

Roman
Cover: Wir ohne Wal
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2016
ISBN 9783990270899
Gebunden, 168 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Birgit Birnbachers Figuren lassen Wale steigen, leihen sich Geld bei der Bank für eine Fischbude in Camden, klettern einarmig auf den Springturm im Freibad, wenn Herbst ist, sitzen mit anderen nackt in fremden Wohnzimmern, wollen was tun, aber am liebsten was Großes. Sie sind politisch, fühlen sich machtlos, solidarisieren sich. Nehmen Drogen, aus Langeweile, überfallen eine Tankstelle, aus Dummheit. Sie leben in der Kleinstadt, sie wollen nicht unbedingt weg, aber hier sein allein reicht nicht. Sie suchen ihren Platz, und während sie sich fragen, was es zu bedeuten hat, dass der Mensch genetisch zu über 50 Prozent mit einer Banane übereinstimmt, kriegt einer die Kurve und eine andere die Panik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.03.2017

Man könnte Birgit Birnbachers Debüt als Porträt einer Generation bezeichnen, meint Rezensentin Wiebke Porombka, scheut aber doch davor zurück, da "Wir ohne Wal" ganz ohne die Klischees auskomme, die man hinter diesem Begriff erwarten würde. In den Episoden über eine Gruppe 20-30-Jähriger treffen wir auf überraschend unvorhersehbare Figuren mit individuellen Wünschen, Ambitionen, Schicksalen, Ängsten und Fehlern, die jedoch alle durch etwas vereint und festgehalten werden, das Porombka die "trübe Nebelsuppe" nennt, ein grauer, schwerer Schleier, der sie lähmt, eine Sprach- und Tatenlosigkeit und damit ein sublimes Gefühl der Resignation und Trauer, erklärt die Rezensentin. Schnörkellos, fast minimalistisch und trotzdem eindringlich erzähle Birnbacher von jungen Menschen, die laufen und springen, ohne vom Fleck zu kommen, und die sich nach nichts mehr sehnen als nach einer Umarmung, aber unfähig sind, dies auszudrücken. Man merkt Porombkas Kritik an, dass diese Figuren sie stark beschäftigt haben.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2016

Oliver Pfohlmann sieht in diesem Buch nicht wirklich einen Roman, sonder eher eine Sammlung von zehn im Ich erzählten Geschichten, die in ihrer lockeren Verbindung aber doch ein "Porträt der Generation Whatsapp" ergibt. Alles in allem ist er recht erfreut über dieses gelungene Debüt (auch wenn ihm die Tatsache, dass die Autorin gleich vier Förderpreise dafür erhalten hat, als eine betriebsbedingte Übertreibung erscheint). Es geht um Provinz, Drogen, Langeweile, Beziehungen. All das funktioniert für den Rezensenten, weil die Autorin es schafft, das Universum der Romanpersonen zugleich lückenhaft und bildkräfitg vor Augen zu stellen. Vielleicht auch ein Buch für Eltern, die ihre erwachsen gewordenen Kinder verstehen wollen.
Stichwörter