Bill Broady

Schwimmerin

Roman
Cover: Schwimmerin
C. H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406480348
Gebunden, 128 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Zwei Dinge begeistern die namenlose Erzählerin: Schmetterlinge und Schwimmen. Zum ersten Mal erfährt sie das vollkommene Glück der Kindheit, als sie den Schmetterlingsstil schwimmt - die Disziplin ihres Lebens. Mach erfolgreichen Wettkämpfen verlässt sie das Elternhaus, um ein Sportinternat zu besuchen, und selbst der härteste Drill macht ihr nichts aus, denn nur im Wasser fühlt sie sich wirklich geborgen. Sie wird Leistungsschwimmerin. Doch Schwimmerkarrieren sind kurz...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.01.2002

Ein Roman, der sich in die völlig humorlose und hermetisch abgeschirmte Welt des Leistungssports vorwagt. Für Jutta Person überzeugt Bill Broady vor allem im ersten Teil seines Romans, der die Wasser- und die Innenwelt der Spitzensportler ausleuchtet. Die Protagonistin ist eine junge Frau, die vor allem in der Disziplin des Schmetterlingsschwimmens besondere Leistungen erbringt. Für den Autor dient der Schmetterling zugleich als Sinnbild, erzählt Person; einerseits assoziiere er nämlich Leichtigkeit und Überwindung der Schwerkraft, andererseits heiße Schmetterling im griechischen: Psyche, was wiederum auch die Seele bedeute. Die Welt des Wettkampfs, das Verhältnis zum eigenen Körper, zum Schmerz, zu den Glücksgefühlen, die Vereinsamung, all das wird laut Person literarisch dicht beschrieben. Bloß im zweiten Teil des Romans, der die folgende Vermarktung der Schwimmerin und ihren psychischen Zusammenbruch behandelt, hinkt die Beschreibung "der traurigen Realität hinterher", befindet Person. Zu deutlich werde hier beispielsweise das Bild des Schmetterlings "durchdekliniert", dem, wen wundert's, alle Flügel gebrochen werden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2001

Dem britischen Schriftsteller Billy Broady ist ein "Kunststück" gelungen mit seinem Debütroman über den "Aufstieg und Fall einer Leistungssportlerin", meint Stefanie Peter. Auf realistische Art und Weise schildere er die Härte des Sportlerlebens, bei denen Trainerweisheiten als Lebensmaximen manchmal einfach nicht mehr ausreichten. Die Rezensentin verweist in diesem Zusammenhang auf eine Kulturgeschichte des Schwimmens von Charles Sprawson: "Haunts of the Black Masseur - The Swimmer as Hero." Auch Broady entwerfe in seinem Roman eine wahre "Phänomenologie des Schwimmbeckens". Nur an manchen Stellen - etwa wenn es um das Thema der Ausbeutung junger Sportlerinnen geht - bleibt das Buch für sie klischeehaft und voyeuristisch. Lobend hebt sie dagegen die Schilderung der Geisteszustände hervor, der "Übung im Vergessen", welche die schwimmende Heldin tagtäglich exerziert: Schwimmen als Meditation.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2001

Einen Erstlingsroman zeigt Angela Schader hier an, den sie nur im ersten Teil überzeugend findet. Darin wird die Zurichtung und Verformung einer Kindheit zugunsten einer Sportlerkarriere berichtet; die zunehmende Entfremdung der Protagonistin von sich selbst deute der Autor an, indem er nicht aus der Ich-Perspektive erzählt, sondern in der zweiten Person Singular. Im zweiten Teil des Romans ist die Sportlerkarriere beendet, die Protagonistin ereilt der typische Absturz in eitlen Wahn und am Ende der psychische Zusammenbruch. Hier wird Schader der "kritische Impetus" des Autors zu sehr deutlich, auch findet sie, dass das Erzählmuster der psychischen Desintegration nicht alle Unstimmigkeiten in der Person der Protagonistin erklärt. Dennoch, so endet die Rezensentin wohlwollend, ein interessantes Debüt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.09.2001

Bill Broady ist Spezialist im Schmetterlingsstil. Die "reine Transzendenz" dieses Schwimmstils hat der Autor laut Andreas Merkel "literarisch gemeistert". Nicht nur spricht er seine Heldin (ein Schwimmtalent) "konsequent in der zweiten Person direkt" an, er schraubt auch das Erzähltempo derart hoch, "als könnte man das von Kurzstrecken dominierte Leben seiner Protagonistin auch nur im Sprint bewältigen." Merkel kommt so ein "Schwebezustand zwischen Fliegen und Verschwinden" angenehm schwerelos vor, wenngleich am Ende auch der Absturz steht und seine Überlegungen den Rezensenten ahnen lassen, dass die vom Text provozierten Fragen nach der Instanz, die da "in diesem seltsam hohen Ton der Schwimmerin (und uns) ihre Geschichte erzählt," uns selber, die Leser, im Visier haben.