Aus dem Chinesischen von Marc Hermann. Als der blinde Masseur Wang Daifu mit einer Freundin, aber mittellos und ohne Perspektive in seine Heimatstadt Nanjing zurückkehrt, kann er bald Hoffnung schöpfen: Sein alter Freund von der Blindenschule, der ehrgeizige, belesene Sha Fuming, heuert ihn als Therapeuten in seinem Tuina-Massagesalon an. Abends schlafen Wang und seine Freundin im nahe gelegenen Wohnheim, in dem alle Mitarbeiter nächtigen, Frauen und Männer getrennt. Geschichten von Liebe, Freundschaft und Eifersucht entspinnen sich rund um die Mitarbeiter, zu denen nun auch noch Du Hong stößt, die eigentlich Pianistin werden wollte und von großer Schönheit ist. Für Wang aber reißen die Sorgen nicht ab: Kaum verdient er wieder Geld, muss er für seinen Bruder alles riskieren, da dieser sich erpressbar gemacht hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.12.2016
Die chinesische Gegenwartsliteratur boomt, stellt Ludger Lütkehaus erfreut fest. Bi Feiyus Roman über eine Gemeinschaft von Blinden und Halbblinden, deren Geschäftsidee eines Massagesalons zündet, aber im Fortgang zu allerlei Verwicklungen führt, Eifersuchts- und Liebesdramen und Erniedrigungen, scheint ihm Tradition und Moderne zu verbinden, Beobachtungs- und Darstellungsgabe, Sensibilität und Scharfsinn zu vereinen. Am Ende der Lektüre steht für den Rezensenten die bittere Erkenntnis, dass Blindheit kein Natur-, sondern ein Sozialgeschick ist.
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