Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Barbara Heller und Rudolf Hermstein. Kanton 1838. Über den sagenumwobenen Perlfluss gelangen Glückssucher und Abenteurer aus aller Welt in die chinesische Hafenstadt: Für den jungen Maler Robin Chinnery ist die pulsierende Metropole der ideale Zufluchtsort, um den Heiratsplänen, die seine Mutter für ihn hat, zu entkommen. Der britische Botaniker Fitcher Penrose ist in Begleitung seiner jungen Assistentin Paulette unterwegs nach Kanton, um dort nach einer geheimnisvollen Kamelienart zu suchen, der wahre Zauberkräfte zugesprochen werden. Und der indische Kaufmann Bahram Modi erhofft sich mit der größten Ladung Opium, die er je von Kalkutta nach Kanton transportiert hat, das Geschäft seines Lebens. Es sieht so aus, als würden die Dinge gut für ihn anlaufen, denn man beruft ihn in die Kantoner Handelskammer. Doch dann beginnen die autoritätseinflößenden Mandarine den ausländischen Kaufleuten auf den Leib zu rücken, denn der chinesische Kaiser will den Handel mit Opium verbieten. Und plötzlich stehen alle Zeichen auf Krieg ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.08.2013

720 Seiten, 1 Kilogramm Gewicht und kein E-Book-Reader in Sicht: Stöhnend fordert Claudia Wenner bei den Maßen des auch ohne Kenntnis des ersten Bandes besten funktionierenden zweiten Teils von Amitay Ghoshs Ibis-Trilogie nach dem digitalen Medienwechsel. Wobei wohl auch ein E-Book nicht das Wahre wäre: Ghoshs historische Darstellung der Situation im chinesischen Kanton kurz vor dem Ersten Opiumkrieg erschöpft sich in ihrer Detailfreude eben nicht im bloßen Kolorit, sodass man beim Lesen gerne und oft zurückblättert, was auf dem E-Book-Reader der Rezensentin offenbar weniger gut funktioniert. Ansonsten aber ist sie ganz gebannt: Für bewundernswert hält sie nicht nur die zusammengetragene Menge an Fakten, sondern auch, wie Ghosh diese mit seinem vitalen Stil und in einer klaren Erzählstruktur zum Klingen bringt. Am großartigsten aber findet sie das virtuos entworfene "epische Sprachgemälde": Da reihen sich die Dialekte und Pidgin-Varianten aneinander, dass es nur so eine Art hat - wobei Wenner anmerkt, dass die deutsche Übersetzung diesen sprachlichen Reichtum spürbar einebnet. Kurz gesagt: Nach dem Abschluss der Trilogie leckt sich die Rezensentin schon jetzt die Finger.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2013

Martin Kämpchen freut sich jetzt schon auf den Abschluss der mit dem vorliegenden Band fortgeführten Ibis-Trilogie. Dass Autoren wie Amitav Ghosh mit ihrem ungebrochenen realistischen Erzählen ein nostalgisches Bedürfnis in uns stillen, lässt er gerne gelten. Wem es wie Ghosh gelingt, die Eingemeindung der Sklaven in Mauritius und den Opiumhandel in Bombay in einer Geschichte derart lustvoll und detailreich zu verzahnen, den Blick des Anthropologen auf gesellschaftliche Zusammenhänge und Konstellationen mit der Fantasie des Schriftstellers so gekonnt in Einklang zu bringen, der darf das, suggeriert Kämpchen. Zwar droht der Rezensent im Wirrwarr der Handlungsstränge und Figuren mehr als einmal die Übersicht zu verlieren, die Suggestivkraft von Ghoshs Prosa und ihre sprachliche Vielfalt (Hut ab vor den Übersetzern, meint Kämpchen) hält ihn allerdings fest wie ein Supermagnet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.12.2012

Rezensentin Sabine Vogel muss dieses "in Sprachbildern aufgepinselte Genre-Gemälde" erst einmal sortieren. Weite Teile ihrer Rezension verwendet sie darauf, das überbordende Wirrwarr an Personen und die Konstellationen, in denen diese sich bewegen, zu entknoten. Offenbar macht es der von Vogel zwar geschätzte indische Schriftsteller Amitav Ghosh seinem Lesepublikum alles andere als leicht, sich in dieser im 19. Jahrhundert in China rund um die Manöver zur Eindämmung des Opiumschmuggels situierten, an Figuren, Dingen und Bewegungen überschäumenden Geschichte zu orientieren, wie die Rezensentin auf der Suche nach dem dramaturgischen Faden mit Anzeichen von Erschöpfung schließlich einräumen muss. Allein auf weiter Flur fragt sie sich schließlich (wenn dabei auch etwas ratlos wirkend), ob nicht vielleicht gerade dies das Ziel des Romans gewesen sei.