Bettina Gundermann

lines

Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783627000806
Gebunden, 143 Seiten, 16,36 EUR

Klappentext

Das Fest beginnt märchenhaft: Ein Gastgeber hat sich einen fremden Besucher aus der nächtlichen Stadt in sein luxuriöses Haus, sein Schloss geholt. Er führt ihn ein in die Welt der Drogen und die künstlichen Paradiese des Kokains und erzählt ihm eine Nacht und einen Tag lang eine verstörende Geschichte von Geburt, Leben und Tod: Drei Kinder kommen zur Welt ...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.11.2001

Julia Voss weiß, dass der Debütroman von Bettina Gundermann unter die Kategorie des "schonungslosen Realismus" fällt, bedauert aber, dass er nicht gleich den Darstellungsformen eines Splatter-Movies entsprechen will, denn dann wäre der Roman wirklich gelungen, meint sie. So aber tritt offenbar aber genau das Gegenteil ein: Der Leser werde mit einem "Geschichtenwirrwarr" konfrontiert, das zudem langweile, da einem bei der Lektüre nicht mehr als ein "fortwährendes Déjà-vu-Erlebnis" beschert werde. Die Kritikerin wirft dem Roman außerdem mangelnde Authentizität vor, "denn die Geschichten, die einem als dem Leben abgelauscht angedreht werden, klingen verblüffend nach schmissigen Schlagzeilen von Boulevardblättern." Demzufolge können auch die Helden des Romans nur Klischees sein, sie sind, wie Voss schreibt "koksende, vaterschlagende, Baby-im-Müll-entsorgende Protagonisten", denen man nicht abnimmt, dass sie aus dem wirklichen Leben stammen. Warum die Autorin eine sinnentleerte, von Drogen und Gewalt bestimmte Welt beschreibt? Diese Frage thematisiert die Autorin selbst, so Voss, wobei sie zwar von einer moralischen Bewertung ihrer Figuren absieht, aber auf die Schnelllebigkeit der modernen Gesellschaft verweist, die schon allein aufgrund der unglaublichen Zahl "an Fernsehsendern, Kinofilmen und Zeitschriften" verdorben sei. Aha. Am Ende ihres Verrisses verweist die Kritikerin noch darauf, dass "schonungsloser Realismus" nicht einfach heißt, Schönes mit Ekligem zu vermischen wie etwa in der Beschreibung eines "Marienkäfers, der logisch zwingend im Erbrochenen der magersüchtigen Mara einsinken muss".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2001

In "lines" geht es um Kokain, besser gesagt um die relativ kurzen Lebenslinien der Konsumenten, erzählt aus der Perspektive eines bekoksten Mannes, der sich als Zauberer mit spitzem Hut vorstellt, informiert Sacha Verna. Weder auf- noch anregend sei die Welt, die sich in diesem Buch eröffnet, auf etwas Neues warte der Leser vergeblich, konstatiert die Rezensentin. Probleme der Einsamkeit und Zweisamkeit, alles schon tausendfach beschrieben und hier, wie Verna findet, lediglich "halluzinogen" aufgepeppt. Dass die Autorin die Sucht als Form der Alltagsbewältigung gegen das langweilige Durchschnittsdasein verteidigt, tut Verna als "Koks-Koketterie" ab und ist erleichtert, dass bei derartiger Literatur keine Suchtgefahr besteht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.04.2001

Elend geht es zu in Bettina Gundermanns erstem Roman "lines". Ihre Figuren sind schon am Anfang am Ende. Sie stehlen, betteln und morden. Sie demütigen - sich selbst und andere. Selbstachtung und Würde haben sie schon längst hinter sich gelassen, berichtet Martin Lüdke. "Lines", das ist kein Roman, der sich in mit der Psyche von Junkies auseinandersetzt, keine "Sozialarbeiter-Prosa", sondern ein Schelmenstück, findet der Rezensent, den Gundermanns krude Geschichten in eine wenig erbauliche Stimmung versetzt haben. Beinahe hätte "lines" ein Bildungsroman werden können, meint Lüdke, wäre da nur nicht der Entwicklungsstop, der allen Junkies gemein ist: die Suche nach Glück und Selbstfindung endet im nächsten Trip bis hin zum letzten Schuss. Die Tänzerin Gundermann, 1969 geboren, hat den Tanz aufgegeben. Zugunsten der Literatur. Getanzt wird hier auch, so der Rezensent. Aber es ist ein Tanz des Todes, "sprachlich oft noch etwas klapprig", aber, hofft Lüdke, nicht der Letzte als Autorin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Die Autorin Bettina Gundermann ist die dunkle Schwester von Christian Kracht, meint Rezensentin Meike Fessmann. Gundermanns kurzer Roman, aus der Sicht eines koksenden Zauberers erzählt, handelt von da, wo nicht Sylt ist, also vom Elend der Großstädte in ihren finstersten Nischen. Dort wird gekokst, gehurt und gestorben. Das erzählt die Autorin allerdings in einer Sprache, die einem Drehbuch-Skript näher kommt als einem Roman, so Fessmann: "Anne setzt sich den Schuss im Bad. Scheiß Stoff. Anne tot." Wie alle Rezensenten, die ein Debüt nicht verreißen wollen, entdeckt Fessmann darin einen "ganz eigenen Ton".
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