Gert Loschütz

Die Bedrohung

Roman
Cover: Die Bedrohung
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783627001353
Gebunden, 192 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Loose widmet sich seit seinem Ausscheiden aus seiner Zeitung, wo er die Kulturseiten zu verantworten hatte, eigenen Schreibprojekten: leider ohne den erhofften Erfolg. Seine Frau Sabine hat inzwischen seinen Posten bei der Zeitung übernommen und verdient das Geld. Wie er es auch anstellt, die von ihm fest eingeplanten Bücher werden einfach nicht fertig. Eines Tages wird er völlig unerwartet zu einer Tagung einer Botanischen Gesellschaft, irgendwo in der Provinz, eingeladen. Die Einladung kommt von einem gewissen Professor Maurer, dessen Karriere er durch die Veröffentlichung einiger Artikel maßgeblich gefördert hatte. Loose will absagen, doch ein Zeitungsartikel unter der Rubrik der "faits divers" hält ihn zurück. Dort ist die Rede von einem geheimnisumwitterten Wald, in dem sich in letzter Zeit unerklärliche Dinge ereigneten, sich Selbstmorde häuften. Von dieser Meldung wird er magisch angezogen. Er beschließt, die Einladung anzunehmen und die Reise anzutreten, denn dieser Wald liegt direkt neben dem Hotel, in dem die Botanische Gesellschaft tagen wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2006

Als "großartiges Vexierspiel" und "literarisches Virtuosenstück" feiert Rezensent Tobias Heyl Gert Loschütz? neues Buch. Das große Kunststück von Gert Loschütz besteht für den Rezensenten darin, dass er seinen Roman aus einem einzigen Begriff heraus entwickle, dem der Bedrohung nämlich. Dabei sei Prosa von starker Suggestivkraft entstanden, die ihn, wie er schreibt, noch Tage später beunruhigt hätte. Es beginne als Satire auf den Kultur- und Wissenschaftsbetrieb, die langsam Risse bekomme und schließlich in einer Welt münde, die weder dem Leser noch den Figuren des Romans Orientierung biete. Ein Journalist stoße am Rande eines botanischen Kongresses auf mysteriöse Mordfälle. Seine Versuche, Nachforschungen anzustellen, enden in einem kafkaesken Labyrinth des Schweigens und der Ungewissheit. Loschütz komponiere seine Geschichte streng und auf engem Raum aus einem Wechsel von Bildern, Dialogen und Stimmungen zu einem fesselnden Stück Literatur, das den Rezensenten immer wieder frösteln macht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.12.2006

"Von diesem Buch können einem Gewissheiten vergehen!" ruft Rezensentin Maja Rettig nach abgeschlossener Lektüre von Gert Loschütz' neuem Roman, den sie als "subtile Radikalisierung" des Vorgängerbuchs "Dunkle Gesellschaft" gelesen hat. In beiden Büchern spiele eine "mögliche existenzielle Bedrohung" eine Rolle, allerdings sorge im vorliegenden Fall eine äußerst verknappte, karge Erzählweise für gesteigerte Effekte. Nach Ansicht der Rezensentin gelingt es Loschütz "glänzend", in seiner Geschichte die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn zu verwischen. Das Grauen beginne "mitten in der Realität": der Kulturredakteur einer bedeutenden Zeitung schmeiße seinen Job, um sich endlich den Themen zu widmen, die ihn wirklich interessieren. Bald gerate er aber in den Sog einer Geschichte, die er nicht mehr kontrollieren könne: im Zuge einer Recherche über einen Wald, in dem sich Selbstmorde häufen, verstrickt er sich in der Grauzone von Realität und Paranoia. Die Rezensentin ist beeindruckt über die ansteigende Atmosphäre der Bedrohung, die Loschütz immer wieder mit ganz vernünftigen Episoden unterschneidet. Schließlich scheint ihm so etwas wie ein literarischer Beweis des interessanten Gedankens zu gelingen, dass feuilletonistisches, essayistisches Denken im Ansatz immer etwas Wahnhaftes ist und ähnlichen Regeln wie die Paranoia folgt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2006

Der Rezensent Christoph Schröder ist beeindruckt von dem Szenario, das der Autor Gert Loschütz mit seinem Roman "Die Bedrohung" entwirft. Ihm gelingt es seiner Meinung nach, wie auch schon bei früheren Romanen, "ohne Geraune, ohne künstliche Mystifikationen" eine angsteinflößende, subjektive Wirklichkeit zu beschreiben. In den Augen von Schröder arbeitet Löschutz an der literarischen Beschreibung einer "neuen Unheimlichkeit". Dem tut es keinen Abbruch, dass sich die Geschichte dann trotz des "schauerromantisch aufgeladenen" Handlungsortes nicht als metaphysische Abhandlung, sondern als Beschreibung einer Krankheit entpuppt. Sein Protagonist rutscht nämlich schlichtweg in eine schwere Depression ab. Doch wie er dahin kommt, ist nach Meinung des Rezensent "erzählerisch raffiniert" eingefädelt. Auch die "assoziationsreiche" Sprache gefällt Schröder. Seiner Meinung legt Loschütz mit diesem Buch auf gelungene Weise nach, nachdem ihm letztes Jahr mit "Dunkle Gesellschaft" ein "erfreuliches Comeback" gelungen war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

"Die" Bedrohung" tritt bei Gert Loschütz nie offen zutage, vielmehr kommt sie im Gefolge von Aufklärung und Erotik, informiert Martin Halter. Auch er belässt es in seiner Besprechung bei den leisen Tönen, spricht von einer "verzauberten Lichtung in einem dunklen Urwald", um das Buch zu charakterisieren. Ihm hat Loschütz' Geschichte von einem Journalisten, der dem in einem Wald verorteten namenlösen Bösen hinterherrecherchiert, offenbar gefallen. Dass Loschütz sein inhaltliches Grundanliegen, die Unversöhnlichkeit von Poesie und Naturwissenschaft, nicht ganz stringent behandelt, stört ihn wenig, ist der Roman in seinen Augen doch trotzdem "fein durchkomponiert " und besteche durch eine unaufdringliche Komik. Und auch wenn sich Loschützs schon 1981 als Hörspiel geschriebene Geschichte an Kafka und Ionesco anlehnt, wirkt es durch die zurückhaltenden Stilmittel und die "lakonisch-nüchterne Tagebuch-Prosa" doch nie unpassend oder aus der Zeit gefallen, wie Halter befriedigt vermerkt.
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