Berthold Seliger

Klassikkampf

Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle
Cover: Klassikkampf
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783957574671
Broschiert, 496 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Auch die glamouröse Eröffnung der Hamburger Elbphilharmonie konnte die tiefe Krise der klassischen Musik nicht überdecken: Sie ist im Ritual erstarrt, das Repertoire bleibt konventionell, und Konzertbesuche dienen oft nur dem elitären Distinktionsbedürfnis. Unterdessen versuchen die Musikkonzerne mit Entspannungs-CDs für gestresste Manager und der cleanen Inszenierung geigender Schönheiten gegen sinkende Verkäufe anzukämpfen. Dennoch schreitet die Entfremdung der Masse der Menschen von der klassischen Musik immer weiter fort. Angesichts dieses Elends fordert Berthold Seliger einen neuen Klassikkampf um die verdrängten Potenziale der Musik. Er wirft einen  Blick hinter die Kulissen des heutigen Klassikbetriebs und ruft in Erinnerung, dass die ernste Musik entgegen der Mutlosigkeit und Verflachung von Mozart über Beethoven bis Eisler und Abbado immer auf die Revolutionierung der Schönheit und damit auch der realen gesellschaftlichen Verhältnisse zielte. Seliger verlangt nichts weniger als die Rettung des rebellischen Glutkerns der Klassik, die nur über ihre breite gesellschaftliche Wiederaneignung gelingen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.10.2017

Rezensent Stefan Michalzik möchte Berthold Seligers "Klassikkampf" zur Pflichtlektüre für jeden Kulturpolitiker machen. Denn der Konzertagent legt mit großer Leidenschaft und in aller Schärfe die Problematiken der zeitgenössischen Klassikszene dar, versichert der Kritiker: Er liest nicht nur von der "mutwilligen Banalisierung" durch das "Posterstar-Marketing" in der Klassik, sondern folgt auch interessiert Seligers Forderung einer "Hörschulung" an Tonsystemen außereuropäischer Kulturen oder seinem Plädoyer für mehr Freiraum anstelle eines "Primats des Mehrwerts und der Nützlichkeit" an Hochschulen. Wie der Autor die Vielfalt seiner Themen bündelt und dabei immer wieder auf Adorno, Benjamin, Greil Marcus und Hans Heinz Stuckenschmidt zurückgreift, hat den Rezensenten beeindruckt.