Diese Dokumentation mit zahlreichen Skizzen, Zeichnungen, Plänen und Fotografien bietet neue Forschungsergebnisse zu der eigenwilligen Bauästhetik des bedeutenden Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein. Das Wittgenstein Haus in Wien gilt als bedeutsamer Markstein der Baukunst des 20. Jahrhunderts. Paul Engelmann, ein Schüler von Adolf Loos, wurde 1925 von Margarethe Stonborough mit der Planung ihres Stadthauses betraut. Der Bruder der Auftraggeberin, der Philosoph Ludwig Wittgenstein, wurde auf eigenen Wunsch wenig später in die Planungsarbeit einbezogen. Schon die Einreichpläne sind ganz von Wittgensteins Bauästhetik geprägt. In der Ausführung manifestiert sich seine eigenwillige und einzigartige Architektursprache: vom Raumbegriff bis zum Detail einer Bodenfuge.
Brigitte Werneburg findet, dass es kaum "aufregendere" Bücher über Architektur zu lesen gibt. Ihrer Ansicht nach hat der Autor bei seinen Recherchen zu Wittgensteins Planung dieses Hauses, das seit 1976 Bulgarien gehört und seitdem verfällt, allerhand verblüffende Details zu Tage gefördert, etwa ein vom Philosophen ausgetüfteltes System für versenkbare Fensterverriegelungen oder eine besondere Form der Fußbodenheizung. Dass Leitner gar nicht erst versucht, diesen Bau als "Fortsetzung der Philosophie mit anderen Mitteln" zu verstehen, gehört für Werneburg zu den ausgemachten Stärken dieses Bandes. Stattdessen habe Leitner sich auf die architektonischen Probleme und Lösungen konzentriert, mit denen sich Wittgenstein befasst hat. Werneburg betont, dass es sich hier um ein "ganz und gar unfotogenes" Haus handelt, und deswegen schon oft als nicht erhaltenswürdig eingestuft wurde. Die Besonderheit des Baus liegt vielmehr, so die Rezensentin darin, dass es "benutzt werden will" und völlig auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten wurde. In Leitners Buch Werneburgs Ansicht nach dabei erstmals deutlich, wie durchdacht der Bau in dieser Hinsicht in Wirklichkeit ist.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.02.2001
Gabriele Hoffmann weist in ihrer Rezension des Buches zunächst darauf hin, dass es dem Autor zu verdanken ist, dass das Haus von Ludwig Wittgenstein überhaupt noch steht, da Leitner es 1971 "in einer dramatischen Aktion" vor dem Abriss bewahrte. Sie lobt das Buch für seine "auch dem Laien verständliche Sprache" und die vielen Bilder, die die Besonderheiten des Bauwerks - an dessen Planung der Philosoph selbst erheblichen Anteil hatte - eindringlich porträtieren. Die Rezensentin spürt beim Lesen das "Vergnügen", das der Autor dabei hatte, all die Details aufzuspüren, die die damaligen Avantgarde-Architekten vor den Kopf gestoßen haben müssen. Wenn sie etwas an diesem Text-Bild-Band zu bemängeln hat, dann, dass Leitner die "ins Auge springende Verwandtschaft" des Hauses mit dem avantgardistischen "Stil jenseits der Stile" nicht erwähnt.
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