Bernd Carque

Stil und Erinnerung

Französische Hofkunst im Jahrhundert Karls V. und im Zeitalter ihrer Deutung
Vandenhoeck und Ruprecht Verlag, Göttingen 2005
ISBN 9783525351901
Gebunden, 648 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Die französische Hofkunst des 14. Jahrhunderts gilt weithin als Inbegriff fürstlichen Mäzenatentums und höfischer Prachtentfaltung, ästhetischen Fortschritts und künstlerischer Emanzipation. Darin erweist sie sich jedoch als historiografisches Konstrukt, in dem sich vielfältige Problemgeschichten und ihre je eigenen Imaginarien überlagern. Sie ließen Kunst und Geschichte in einer Weise auseinander treten, die wesentliche Quellen und Materialschichten zum Verschwinden brachte - namentlich solche, die künstlerische Formerscheinung der Werke in ihrem Wechselspiel mit der höfischen Erinnerungskultur einsichtig werden lassen. Hier eröffnet B. Carques Studie neue Perspektiven auf eine Kunstproduktion, die in gruppenspezifische Wahrnehmungs- und Deutungsmuster eingelassen war und Vergangenheit mit visuellen Mitteln zu vergegenwärtigen suchte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2005

Schwer beeindruckt zeigt sich Andreas Platthaus von Bernd Carques umfangreicher Studie über die Hofkunst des französischen Spätmittelalters. Obwohl die Arbeit den "ungeschriebenen Regeln einer deutschen Dissertation" gehorcht - die ersten 200 Seiten etwa sind dem Stand der Forschung gewidmet -, findet sie Platthaus schlicht "atemberaubend". Vor allem deshalb, weil sich Carque den Kunstwerken, die unter der Herrschaft Karls V. von 1364 bis 1380 entstanden, mit "feinstem theoretischem und bildanalytischem Besteck" nähert. Im Mittelpunkt sieht Platthaus dabei die Analyse von illustrierten Handschriften und Monumentalskulpturen an Fassaden, in Kirchen, auf Gräbern. Er hebt hervor, dass Carque gegen Theorien argumentiert, die eine lineare Entwicklung zu einem Stil höchster Verfeinerung sowie die Herausbildung einer freien Künstlerpersönlichkeit am Hofe Karls behaupten. Wie er ausführt, kann Carque dagegen zeigen, dass die sich die Hofkunst an der Formensprache des 13. Jahrhunderts orientierte und im Dienste politischer Legitimation stand. Carque halte die Intentionen der Auftraggeber bislang "für weitgehend unterschätzt" und vermute gar eine persönliche Beteiligung des Königs an den Codizes aus seiner Herrschaftszeit. Beim Aufzeigen dieses Zusammenhang hat Carque nach Einschätzung von Platthaus "Pionierarbeit" geleistet.
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