Bonn aus der Sicht eines todtraurigen Parlamentariers: Das "Treibhaus" von Wolfgang Koeppen ist einer der wichtigsten politischen Romane der deutschen Literatur. 1953 erschienen, handelt es vom Wiederaufbau, dem Kalten Krieg und der Einsamkeit eines Abgeordneten. Das "Treibhaus" ist eine düstere Satire auf den nach 1945 utopisch anmutenden Auftrag, von neuem mit der Demokratie zu beginnen. Das Buch von Benedikt Wintgens geht den krummen Wegen nach, auf denen in der Bundesrepublik eine pluralistische Öffentlichkeit entstand. Anhand von Koeppens Roman, im Spiegel der Treibhaus-Metapher und durch die Rekonstruktion der Debatte, die Journalisten und Intellektuelle über das "Treibhaus" führten, entsteht ein facettenreiches Bild der politischen Kultur im Übergang vom "Dritten Reich" in die Bonner Republik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.08.2019
Alexander Gallus freut sich, mit Benedikt Wintgens Dissertation eine Reise in die fünfziger Jahre der Bundesrepublik unternehmen zu können. Nicht weniger als eine geschichtswissenschaftliche Studie mit einem Roman als Referenzpunkt legt der Autor laut Gallus vor. Das Kunststück gelingt, weil Wintgens den Text in seiner politischen Bedeutung wahrnimmt. Seine Rekapitulation der Rezeptionsgeschichte des Romans liest Gallus als Intellektuellen- und Mediengeschichte der Nachkriegsära. Hier und bei der Aufschlüsselung der Entstehungsgeschichte, der Figuren und Schauplätze leistet der Autor für Gallus Bemerkenswertes und legt die Bezüge zur Zeitgeschichte offen, bis zur mit dem Titel aufgerufenen Formensprache der Bonner Republik.
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