Ben Faccini

Luft anhalten

Roman
Cover: Luft anhalten
C.H. Beck Verlag, München 2001
ISBN 9783406480379
Gebunden, 290 Seiten, 19,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Rojahn-Deyk. Das Leben des siebenjährigen Jean-Pio und seiner Familie spielt sich hauptsächlich im Auto, unterwegs, in Eile ab. Der Vater reist europaweit von Konferenz zu Konferenz, um über seine neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Anatomie und Histopathologie zu referieren, seine Frau und die drei Söhne sind immer dabei. Jean-Pio leidet ständig unter Kopfschmerzen, die - davon ist er überzeugt - durch seine intensiven Gedanken verursacht werden. Ob das nun stimmt oder nicht, auf jeden Fall beschließt Jean-Pios Mutter, dem dauernden Reisen ein Ende zu setzen und mit der ganzen Familie in das leerstehende Haus des Großvaters in Frankreich einzuziehen...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2003

Ben Faccini hat ein amüsantes Buch über seine kosmopolitische, (auto)mobile Kindheit geschrieben, das vor allem sendungs- und karrierebewussten Eltern eine Warnung sein sollte, findet Sabine Berking. Der Vater des Erzählers ist nämlich Histopathologe und vom Thema Gesundheit und Klimaschutz besessen. Die Familie im Schlepptau, reist er von Kongress zu Kongress, gelebt, gelernt, gelesen und wenig gelacht wird im Auto beziehungsweise in Hotelzimmern. Das unter Kopfschmerzen leidende Kind, erzählt Berking amüsiert, wird von Arzt zu Arzt gereicht, ohne dass der Vater auf das Naheliegendste komme, nämlich dass es unter Reisestress leidet. Irgendwann reißt der Mutter der Geduldsfaden, die Familie nimmt dauerhaft Quartier in Frankreich im ehemaligen Haus der Großmutter, wo sich auf verzwackte Weise alles zum Guten wenden soll. Der Roman ist kein "flammender" moralischer Aufruf, meint Berkling, aber doch ein nachdenklich machendes Plädoyer für mehr "familiäre Normalität im globalen Mobilitätswahn".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.04.2002

Walter Klier bespricht ein trotz seiner Schwächen durchaus gelungenes Romandebüt. Der junge Engländer Faccini beschäftigt sich in seinem Roman mit der Kindheit eines überempfindlichen Kindes in einer kosmopolitischen Familie. Das Thema der Hypersensibilität sei in der Literaturgeschichte zwar schon zu genüge ausgereizt worden, aber dennoch sei es dem Autor gelungen, dem ganzen einen frischen Anstrich zu geben, so der Rezensent. Es gelinge Faccini, liebevoll zu erzählen und zugleich präzise Beobachtungen anzustellen, aber dennoch werde die Ausführlichkeit des zweiten Teils in Verbindung mit den gesammelten Hypersensibilitäten mit der Zeit doch ein wenig anstrengend - weniger wäre mehr gewesen. Dennoch schließt Klier seine Rezension mit einem Lob des vielversprechenden Autors und seiner Übersetzerin Barbara Rojahn-Deyk.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.01.2002

Einen großen Eindruck hat diese Geschichte über einen kleinen Jungen, der sich im Verlauf der Erzählung als Dreh- und Angelpunkt eines familiären Dramas erweist, bei der Rezensentin Eva-Elisabeth Fischer hinterlassen. Sie ist sehr berührt von dieser "außerordentlich beklemmenden" Geschichte, in deren Zentrum der total verängstigte Junge auf der Rückbank eines Autos sitzt und sich mit Schuldgefühlen herumschlägt. Diesen starken Eindruck der Geschichte führt sie zurück auf die dramaturgischen Fähigkeiten des Erzählers: darauf, "mit welcher Sensibilität er den psychischen Erschütterungen eines unentwirrbar Verstrickten nachspürt, wie er den Plot zwingend motivisch verdichtet" - so lautet ihr beeindrucktes Fazit dieses Romans.

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