Anne Serre

Einer reist mit

Roman
Cover: Einer reist mit
Berenberg Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783911327046
Gebunden, 144 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky. Auch Anne Serre ist unterwegs, nach Montauban zum Festival, per TGV erster Klasse. Und schon geht's los: Die Stille wird gestört von Zugpersonal und plaudernden Sternendeutern. Unverhofft tauchen Familiendramen aus der Erinnerung, wenn der Zug irgendwo hält, wo sich das Leben gegabelt hat. Und dann ist da, nebst toten, lebendigen und eingebildeten Kollegen, die sie umtanzen, ein spanischer Kollege namens Enrique Vila-Matas, den sie gar nicht kennt, nur seine Bücher, die sie liebt. Sitzt er ihr gegenüber? Den Hut im Gesicht? Hat er in Montauban ein Zimmer nebenan bezogen und kommuniziert mit Klopfzeichen? Ist er gar mit einem Mal Herr des Geschehens? Wohin geht diese Reise überhaupt? Allen Ernstes nach Barcelona? Patagonien? 


Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2025

Ganz hinreißend findet Rezensent Jochen Schimmang den neuen Roman von Anne Serre, der damit beginnt, dass die Autorin sich in den Zug setzt und zu einem Literaturfestival fahren will. Oder vielmehr fahren soll, am liebsten würde sie sich drücken, aber sie geht "tapfer hin, wie ein Soldat" und wappnet sich mit der Lektüre ihres Lieblingsautors Enrique Vila-Matas, schildert Schimmang. Über ihn und einige weitere erfundene Kolleginnen und Kollegen reflektiert sie auf der Zugfahrt, später schlüpft sie sogar in seine Haut und sieht sich einer möglichen Vaterschaft ausgesetzt, für den Kritiker wird das alles herrlich leichtfüßig geschildert. Ihm gefällt, dass Serre spannende, reflektierende Fäden knüpft und den Spaß an der kreativen Sprachverwendung allzeit durchscheinen lässt. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 11.09.2025

Ein "virtuoses Schelmenstück" liest Rezensentin Meike Feßmann mit Anne Serres neuem "metafiktionalen" Roman, bei dem eine Schriftstellerin im Zug sitzt und sich auf Lesereise begibt. Auf dieser Fahrt liest sie einen Roman eines spanischen Schriftstellerkollegen, der dann auch selbst ein Kapitel erzählt und von der Offenbarung kalt erwischt wird, dass er eine Tochter hat, schildert Feßmann. Einige Motive, wie Verlusterfahrungen und Freiheitssehnsucht und der Modus der Autorin, alles in einem "literarischen Traumspiel" zu collagieren, kennt die Kritikerin schon, sie machen auch dieses Buch zu einer starken Geschichte, die sie gerne gelesen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2025

Rezensent Cornelius Wüllenkemper lässt sich ausgesprochen gern von den Tagträumen und Fantasiewelten beschießen, die die mit dem Prix Goncourt ausgezeichnete Französin Anne Serre mit ihren "unerschöpflich feuernden Fiktionskanonen" zündet. Erst recht, wenn Serres geschliffener Sprechgesang so brillant ins Deutsche übersetzt wird, wie von Patricia Klobusiczky: Der Kritiker meint das Französische hier im Deutschen wiederzufinden. Derart wohlgestimmt lässt sich Wüllenkemper von Serre auf eine somnambule Zugreise von Paris nach Montauban nehmen, auf der die der der Autorin nachempfundene Heldin Erinnerungen, Reisebeobachtungen, vor allem aber die Lektüre von Enrique Vila-Matas' Roman "Kassel: Eine Fiktion" im "hypnotischen Rhythmus" ineinanderfließen lässt. Wenn Vila-Matas plötzlich neben der Erzählerin setzt, hat Serre ihr "Verwirrspiel" ganz auf die Spitze getrieben, freut sich der Rezensent, der vor allem bewundert, wie sich die Autorin schrittweise aus dem eigenen Text herausschreibt.
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