Auf einem Schrottplatz liegt das Wrack eines Mercedes 350 SL, Baujahr 1971. 350.000 Kilometer ist das Auto laut Tacho in vierzig Jahren gefahren, zehn Besitzer verzeichnet der Fahrzeugbrief. Ein Arzt fuhr ihn und ein italienischer Einwanderer, eine Studentin, ein junger Türke und ein gescheiterter Manager - Menschen, die sich nie kennenlernten, die nur der große Mercedes verband, der ihr Leben ändern sollte. Niklas Maak erzählt die Geschichte der zehn Fahrerinnen und Fahrer und zugleich von vier Jahrzehnten Bundesrepublik: von einer Gesellschaft, ihren Träumen, Ritualen und Abgründen.
Ob Eberhard Falcke das Buch zu Ende gelesen hätte, wenn es nicht vom FAZ-Kunstkritiker Niklas Maak geschrieben wäre? Am Anfang kann er nämlich überhaupt nichts damit anfangen. Schon den Einfall, die Geschichte eines schicken Sportwagens über mehrere Jahrzehnte zu erzählen, hält der Rezensent für das Gegenteil einer Idee. Manierlich, aber vorhersehbar fabuliere Maak die Geschichte aus, die der Fahrzeugbrief vorgebe, die Figuren gewinnen kein Profil, dafür werden fleißig Kulissen geschoben und die Alltagsgegenstände aus fünfzig Jahren Bundesrepublik aufgelistet. Auf eine "Pizza-mit-alles-Poetik" erkennt Falcke hier spöttelnd. Ungefähr ab Kilometerstand 172.000 wird es für den Rezensenten allerdings erfreulicher, wenn sich der alte Mercedes der Gegenwart nähere, werde auch Maaks erzählerisches Talent sichtbar. Dann freut sich Falcke über Treuhand-Tragödien oder eine Soziologie des Berliner Prekariats.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.08.2011
Wieso eigentlich ein Roman? Und wieso eigentlich ein Auto? Beides will so recht nicht passen zu diesem Buch des Journalisten Niklas Maak, findet Kristina Maidt-Zinke. Ansonsten haben sie die Autobesitzergeschichten durchaus beeindruckt, weil nämlich Maak zwar kein Märchenerzähler, eher ein pragmatischer Golffahrer ist, wie es heißt, aber sich als solcher eben auch gut auskennt mit Zeitgeist-Szenecodes und allem, was so geht zwischen Alsterufer und Berlin-Mitte. Öde ist das dennoch nicht, beruhigt uns die Rezensentin, denn dem Autor mit dem analytischen, nur etwas Auto-fixierten Blick gelingt es in seinen besten Momenten, Satire und Empathie unter einen Hut oder besser unters Verdeck des hier als Aufhänger ins Rennen geschickten schicken Mercedes 350 SL zu bekommen.
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