Die Rechtsberaterin Dilan ist Tochter kurdischer Aleviten, die Verfolgung und Gewalt ausgesetzt waren. Doch darüber schweigen sie. Erst als ihre Mutter stirbt und sie selbst ein Kind erwartet, arbeitet Dilan gegen das unerträgliche Schweigen an: Sie reist nach Diyarbakır im Osten der Türkei. Die alte Stadt am Tigris ist die heimliche Metropole der Kurden. Hier haben ihre Eltern einst gelebt, geliebt und gekämpft.Ein poetischer und brennend aktueller Roman über politischen Mut, qualvolles Vergessen und die gefährliche Reise einer jungen Frau.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.08.2023
Gern begleitet Rezensent Ingo Arend die Hauptfigur von Beliban zu Stolbergs Debütroman auf ihrer Reise in den Osten der Türkei. Es geht um Dilan, die eine gesicherte bürgerliche Existenz samt Job und Ehemann aufgibt, um den Herkunftsort ihrer türkisch-alevitischen Eltern zu erkunden. Stolberg, deren Vater selbst Kurde ist, zählt laut Arend zur zweiten Generation der Exilliteratur und legt hier einen komplexen Erstling vor, der politische Themen und Coming of Age in einer anspruchsvollen literarischen Form verbindet. So thematisiert der Roman, führt der Rezensent aus, sowohl Dilans Schwierigkeiten mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft als auch - teilweise mithilfe dokumentarischer Techniken - den Krieg der Türkei gegen die kurdische Minderheit im eigenen Land. Besonders beeindruckt zeigt sich Arend von den Spiegelungsverhältnissen, die Stolbergs Narration etabliert.
Mit Interesse liest Rezensentin Katharina Teutsch diesen Debütroman von Beliban zu Stolberg. Stolberg, Tochter einer deutschen Mutter und eines kurdischen Vaters, erzählt hier die Geschichte von Dilan, deren kurdische Familie nach dem Militärputsch von 1980 aus dem Südosten der Türkei nach Deutschland flieht. Dilan, hochschwanger und inzwischen mit ihrem Freund in Istanbul lebend, wuchs mit dem Schweigen der Eltern auf. Nach dem Tod der Mutter reist sie nach Diyarbakir, um mehr über das türkische Leben ihrer Eltern in Erfahrung zu bringen. Wie Stolberg die Traumata der Familie, die Verbitterung und die erfahrene Angst und Gewalt schichtweise freilegt, findet Teutsch beeindruckend. Die eigentliche "Auflösung" der Geschichte scheint ihr allerdings ein wenig "untererzählt".
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