Sherko Fatah

Im Grenzland

Roman
Cover: Im Grenzland
Jung und Jung Verlag, Salzburg - Wien 2001
ISBN 9783902144010
Gebunden, 223 Seiten, 18,87 EUR

Klappentext

An der Grenze quer durch Kurdistan: Hügel in der Ferne, lehmfarben, und ein leerer Raubvogelhimmel darüber - das ist das Land, in dem sich der Schmuggler bewegt. Der Weg zu den begehrten Waren, Whisky, Zigaretten, vor allem aber Computer, führt durch ein Minenfeld. Langsam, behutsam legt er ihn zurück, untersucht jedes Grasbüschel ... In diesem Roman sind viele kleine Geschichten verwoben: Erzählungen vom Krieg in der Wüste, von den Menschen, die mit allen Mitteln versuchen, den Frieden zu überleben, von Willkür, Folter, aber auch von der Dehnung der Zeit, die wir mit diesem Teil der Welt assoziieren.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.11.2001

Fatahs Roman gehöre zu jenen Bücher, die man nach dem 11. September anders liest, berichtet Hans-Peter Kunisch, denn er spielt im irakischen Grenzland und greift in einer offensichtlich "archaisch-modernen" Sprache das Thema des islamischen Fundamentalismus auf. Der Sohn des Protagonisten, der im Roman nur als "der Schmuggler" firmiere, scheint hier das irakische Regime abzulehnen und die Lösung im Islam zu suchen. Aber über die Motive und Ziele dieses Islamismus erfährt man nach Kunisch dann doch nicht allzu viel - viel prägender war für ihn die atmosphärische Schilderung eines verlorenen und ausweglosen Grenzlandes. Die Erzählweise des Autoren, der in Berlin aufwuchs, erinnert ihn an Kafka. Und trotz mancher kompositorischer Schwächen schätzt Kunisch an ihm die "sichere" Sprache.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2001

Christina Zink hat beim Lesen "Grenzerfahrungen" gemacht. Sie ist fasziniert davon, wie die Erzählweise des Autors die Arbeitsmethode des Helden - ein Schmuggler - "adaptiert". Die mit "Wortminen" versetzte Textlandschaft rief eine "erschütternde Wirkung" in der Rezensentin hervor. Sie schreibt von einer "Sprengkraft", die den Leser zu einem Gefangenen des Erzählers mache. Sonderbare "Erregungszustände" wurden in ihr hervorgerufen, und höchste Konzentration beim Lesen ist nach Christina Zink erforderlich. Sie findet die detaillierten Schilderungen derart "gelungen", dass sich für sie die "Buchstaben in Bilder" verwandelten. "Glänzend" habe der Autor sein Ziel erreicht: es nämlich dem Leser schwer zu machen, aus der Buchwelt wieder in die Realität zu gelangen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.06.2001

Die Story spielt im Grenzland zwischen Türkei und Irak. Dass dieses Gebiet eine ausgesprochen tote Zone ist ("eine kalbende Kuh, ein abgerissenes Menschenbein") tut der Spannung der Geschichte offenbar keinen Abbruch. Im Gegenteil, die Spannung, so erklärt uns Wilfried F. Schoeller, lebt gerade von der Frage nach dem Durchkommen und Überleben an diesem trostlosen Ort. Dass der Autor zudem mit enormer Bildkraft zu Werke geht, die Reise durchs Grenzland durch metaphorisch aufgeladenes Gebiet geht, durch eine Revier der Albträume, eine Wüste aus Angst und der eigenen Abgründe, erinnert den Rezensenten zum einen zwar an Camus' Fremden, geht ihm aber dann auf die Nerven, wenn der Autor es übertreibt. Kommt vor. "Aber dieser Erstling ist doch ein kleines Kunststück des vielgestaltigen Schreckens."
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.03.2001

Sherko Fatah hat eine Geschichte zu erzählen, für die es in der deutschen Literatur kaum Vergleiche gibt, findet Karl-Markus Gauß. Als Sohn eines kurdischen Vaters ist der Autor in der DDR geboren und 1975 in den Westen übergesiedelt. Den Kontakt zu seiner ursprünglichen Heimat hat er wohl nicht verloren, denn hier ist seine Romanhandlung angesiedelt. Bei dem Grenzland, das dem Roman seinen Namen gab, handelt es sich offensichtlich um das Dreiländereck von Iran, Irak und der Türkei, weiß der Rezensent, ohne dass dies explizit ausgesprochen wird. Fatahs Geschichte über einen Schmuggler ist weder Entwicklungsroman noch Charakterstudie, betont der Rezensent. Vielmehr gehe es dem Autor um die Beschreibung der Lebensumstände in dieser Krisenregion. Er veranschauliche eindrücklich die Abhängigkeit einer Region von Händlern und Schmugglern, wo die Wirtschaft durch den Krieg zusammengebrochen ist, erklärt Gauß. Fatah zeige unaufdringlich, was die Diktatur aus einem Land gemacht habe, nämlich "ein Land, in dem Händler sich mit Regierungsbeamten und Militärs zu einer Mafia zusammengeschlossen haben, die es in der Verelendung der Massen zu prächtigem Reichtum bringt". Der Rezensent moniert lediglich einige kompositorische Schwächen vor allem zu Romanbeginn.
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