Die blutige Einverleibung der zuvor teilautonomen Regionen in den türkischen Zentralstaat dauerte von den 1830er bis in die 1930er Jahre. Hans-Lukas Kieser setzt sich eingehend mit den Hintergründen der leidvollen Schaffung des türkischen Nationalstaates auseinander: die Kurdenfrage, der Völkermord an den Armeniern und die religiöse Spaltung der Gesellschaft. Er untersucht, weshalb staatliche "Befriedung", internationale Reformpostulate und christliche Missionsarbeit Kurdistan und Armenien keinen Frieden bringen konnten. Ausgehend von der Analyse des umfangreichen, in weiten Teilen unbearbeiteten Archivmaterials, das die Missionen hinterlassen haben, und anhand von staatlichen osmanischen Quellen, die der Forschung erst seit kurzem zugänglich sind, wird erstmals die Situation der Opfer minuziös dargestellt. Die Untersuchung zum Niedergang des osmanischen Vielvölkerreiches wird ergänzt durch eine systematische Beschreibung ausgewählter lokaler Schauplätze und durch den Einbezug von über 100 historischen Fotografien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2001
Franz-Josef Kos` Rezension ist zunächst vor allem ein recht ausführliches Referat über die Geschichte der Türkei im 19. und frühen 20. Jahrhundert, wobei die ethnischen Konflikte und verschiedenen Reformbemühungen der wechselnden Regierungen im Mittelpunkt stehen. Dabei wird auch ein Blick auf die Rolle der Kurden geworfen, die sich oft genug in der Opferrolle wiedergefunden haben, ihrerseits jedoch an der Ermordung und Vertreibung der Armenier beteiligt gewesen sind und von den Pogromen profitiert haben. Ein wichtiger Punkt ist in diesem Buch, so Kos, die Rolle der protestantischen Missionare, die nach dem Ersten Weltkrieg aus den USA und Deutschland versuchten, durch Krankenhäuser und Schulen eine Reform in der Türkei zu unterstützen und sich für gleiche Rechte zwischen Christen und Muslimen einsetzten. Dazu habe der Autor "umfangreiches Bild- und Quellenmaterial" vorgelegt, Zeugnisse, die auch den Völkermord an den Armeniern belegen, so Kos. Zwar findet er Kiesers Auffassungen bisweilen etwas zu optimistisch, etwa was die Bedeutung des angespannten Verhältnisses von Kurden und Armeniern betrifft. Doch insgesamt wertet der Rezensent dieses Buch als "gute und lesenswerte Darstellung".
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