Aus dem Amerikanischen von Wolfgang Hartung. Ruth Mazo Karras hat die Quellen aus dem christlichen, jüdischen und islamischen Mittelalter ausgewertet. Einige ihrer großen Themen: der Unterschied von weiblichem und männlichem Sexualverhalten, Liebe, sexuelle Gewalt und Ehebruch, Homosexualität, die Normen einer "Schamgesellschaft", die dennoch "unzüchtige" Bäder und Prostitution kannte. Welche Rolle spielte Sexualität in einer Epoche, die im Unterschied zu heute keine mediale Überflutung mit visuellen sexuellen Reizen kannte? Was bewirkten die Keuschheitsgebote der Kirche?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.05.2006
Aufschlussreich findet Rezensentin Antje Schrupp diese Studie über "Sexualität im Mittelalter", die die amerikanischen Mediävistin Ruth Mazo Karras vorgelegt hat. Sie bescheinigt der Autorin, mit vielen Klischees über mittelalterlichen Sex aufzuräumen. Die Vorstellung, Sex sei in diesem Zeitalter wegen der kirchlich verordneten Keuschheit nur im Geheimen getrieben worden, gehe an der Bedeutung von Sexualität im Mittelalter völlig vorbei. Ebenso die Vorstellung, damals sei man besonders ungeniert der Lust nachgegangen. Karras zeichnet nach Ansicht Schrupps anhand zahlreicher christlicher, jüdischer und islamischer Quellen ein differenziertes Bild mittelalterlicher Sexualität, das sie in ihrer Besprechung skizzenhaft wiedergibt. So führt sie etwa aus, dass der im Dienst ehelicher Fortpflanzung stehende Koitus im Mittelalter den Kern der Sexualität bildete, während andere sexuelle Praktiken nicht zum Bereich des Erotischen gezählt wurden.
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