Was für eine Welt! Es ist eine geheimnisvolle Epoche, dieses Mittelalter, das auf den Trümmern der Antike aufbaut. In den tausend Jahren zwischen 500 und 1500 wird in Europa eine neue Welt geschaffen. Das politische Zentrum verschiebt sich vom Mittelmeer bis jenseits der Alpen. Fremde Völker werden hier sesshaft, das Christentum verdrängt ältere "Leit"-Kulturen und am Ende der Epoche wird die Erde nicht mehr der Mittelpunkt des Weltalls sein. Solche ungeheuren Umbrüche aller Welt- und Wertvorstellungen lassen die Menschen nicht unberührt. Wie denken und empfinden sie? Was ist für sie Liebe, Zärtlichkeit und Sexualität?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2009
Enttäuscht zeigt sich der Rezensent Dirk Schümer über die "Schlüssellochperspektive frivolwollender Geschichtsschreibung", die Alexander Ballhaus in seiner Geschichte der Sexualität im Mittelalter einnimmt. Er habe weder eine überzeugende Antwort parat, wie "es die Leute im Mittelalter taten", noch böte er, mangels gründlicher Recherche, eine zufriedenstellende Studie zur ("hochentwickelten") Erotikkultur Andalusiens, zu obszönen Karnevalsbräuchen oder dem Umgang der katholischen Kirche mit Sexualität und seine Auswirkungen. Vielmehr verfalle der Autor einem "unsicheren Häppchenwissen" und "unverbindlichem Plaudern". Einzig seine Charakterisierung Martin Luthers im Hinblick auf seine verklemmte und sexfeindliche Haltung hat dem Rezensenten gefallen.
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