Aus dem Arabischen von Larissa Bender. Ein nicht näher benanntes Land im Nahen Osten: Seit der Niederschlagung der Revolution brauchen die Bürger für jede noch so kleine Kleinigkeit in ihrem Leben - sei es die Überweisung zum Arzt oder die Erlaubnis, Brot zu kaufen - die Genehmigung des Staates. Um die zu erhalten, müssen sie sich vor einem riesigen Tor anstellen, das angeblich jeden Tag nur einer gewissen Anzahl an Anträgen stattgibt. In Wirklichkeit aber öffnet sich das Tor niemals, und die Schlange der Menschen, die in der glühenden Hitze warten, wird länger und länger, ihre Verzweiflung immer größer. Und doch will keiner von ihnen die Hoffnung aufgeben, dass das Tor eines Tages aufgehen wird ...
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.04.2020
Das Lesevergnügen bei der Lektüre von Basma Abdel Aziz Debütroman hält sich beim Rezensenten Marten Hahn in Grenzen. Trotzdem ist "Das Tor" ein wichtiges Buch, versichert er. Yahya heißt der Hauptprotagonist, durch dessen Augen der Leser jenen dystopischen Unrechtsstaat kennenlernt, der seiner Bürger durch erbarmungslose Bürokratie und perfide Gesetze unter der Knute hält. Leider greift die unmenschliche Bürokratie auf die Sprache über, bedauert der Rezensent. Lesen sollte man den Roman trotzdem, findet Aziz. Schon allein, weil spekulative Literatur aus dem arabischen Raum immer noch eine Ausnahme sei. Vor allem aber, weil die ägyptische Autorin, Psychiaterin und Menschenrechtsaktivistin, die mit ihrem fiktiven Staat unmissverständlich auf das Militärregime von Abdel Fattah al-Sisi anspiele, ein bemerkenswertes Beispiel liefere für einen "Unterdrückungsapparat, in dem Sprache, Gesetze und Wartezeiten so tödlich sind wie Gewehrsalven", erklärt Hahn.
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