Die Erinnerungen des ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen Dmitrij Cirov gewähren einzigartige Einblick in das Stalag XVII B Krems-Gneixendorf, das größte Kriegsgefangenenlager der "Ostmark". Aus einer Perspektive von unten werden der Lageralltag hinter Stacheldraht und der Arbeitseinsatz in den Arbeitskommandos Markersdorf, Persenbeug, Melk und insbesondere Gedersdorf beschrieben, wo der damals 20-jährige bei Weinbauern arbeitete. Minutiös schildert der heute in Kasachstan lebende Autor Kontakte zu ausländischen Zwangsarbeitern und zur Zivilbevölkerung, die rassisch-ideologisch motivierte Behandlung der sowjetischen Kriegsgefangenen im "Dritten Reich", ihre latente Angst vor einer Bestrafung als "Vaterlandsverräter" nach der Heimkehr in die Sowjetunion sowie Überlebensstrategien hinter Stacheldraht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2004
Die Behandlung sowjetischer Armeeangehöriger in deutschen Gefangenenlagern gehorchte den Vorgaben gezielter Vernichtungspolitik - das kann man dem Rezensenten Reinhard Olt zufolge in Hubert Speckner systematischer Studie "In der Gewalt des Feindes" nachlesen. Die Hälfte der 5,7 Millionen sowjetischen Gefangenen starb in den Lagern - und die anderen, so Olt, fielen nach ihrer Befreiung meist der Stalinschen Repressionspolitik zum Opfer und wurden erneut in Arbeitslagern inhaftiert. Ihre Schicksale sind nur spärlich dokumentiert, und nur wenige haben Zeugnis über oft jahrzehntelangen Torturen abgelegt. Umso mehr begrüßt der Rezensent diese Veröffentlichung der Erinnerungen des kasachischen Sprachwissenschaftlers Dmitrij Cirov an das Kriegsgefangenenlager Krems-Gneixendorf - jenem Stalag 17 aus Billy Wilders gleichnamigem Film. Was Speckner in objektiver Breite aufbereitet hat, erhält hier ein menschliches Antlitz.
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