Barbara Beuys erzählt spannend und kenntnisreich das ungewöhnliche Leben einer Frau im 17. Jahrhundert, die selbstbewusst als Künstlerin Pionierarbeit in den Naturwissenschaften leistete. Ihre Leidenschaft für Raupen und deren Verwandlung in Schmetterlinge führte sie 1699 bis in den tropischen Urwald von Südamerika. Mit ihrem Buch "Der Raupen wunderbare Verwandlung" gehört Maria Sibylla Merian zu den Begründern der modernen Insektenkunde. Fünf Jahre lebte sie in einer radikalen christlichen Kommune in Holland, trennte sich von ihrem Mann und zog mit ihren Töchtern nach Amsterdam. Dort entstanden im Merian-Studio mit ihren zwei Töchtern Zeichnungen von Blumen, Insekten und Früchten, die bei Sammlern in ganz Europa begehrt waren. Die Reise der Zweiundfünfzigjährigen in die niederländische Kolonie Surinam in Südamerika zur Erforschung der tropischen Inselwelt ist ohne Vorbild. Ihr Buch über die Surinamesischen Insekten machte sie endgültig berühmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2017
Als berufstätige Mutter, renommierte Künstlerin, Naturforscherin und Geschäftsfrau war Maria Sibylla Merian eine Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit, weiß Bettina Wolff und freut sich, dieses außergewöhnliche Leben zum 300. Todestag Merians in der Biografie von Barbara Beuys gut recherchiert dargestellt zu finden. Dass auch nach der die sorgfältigsten Recherche Lücken bleiben, kann die Rezensentin verschmerzen und lobt den Ansatz der Autorin, lieber verschiedene Möglichkeiten zu präsentieren als ins Spekulieren zu verfallen. Besonders die Rolle der Religion für das Werk der Calvinistin Merian findet Wolff aufschlussreich. Auszusetzen hat sie an diesem Buch höchstens einen gelegentlich den Lesefluss hemmenden Hang zur Redundanz.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.01.2017
Peter Henning schätzt die Merian-Biografie von Barbara Beuys vor allem wegen ihres weiblichen und sehr persönlichen Ansatzes. Als Schmetterlingsfreund scheint ihm beim Lesen das Ereignis der Begegnung mit einer seltenen Art erneut vor Augen zu stehen. Dass Beuys eher "brav" die Lebensspuren der Begründerin der modernen Entomologie aufliest und ihren Text entlang der Fakten entwickelt, findet er angesichts ihres eigenen, ergiebigen Ansatzes absolut legitim. Vorsichtig tastend, in biografischer Nahaufnahme, erklärt Henning, entsteht so das Bild einer jungen Forscherin und ihrer innersten Motivationen und Gefühle. Auch die Geschichte einer weiblichen Emanzipation, meint der Rezensent.
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