Barbara Belford

Oscar Wilde

Ein paradoxes Genie
Cover: Oscar Wilde
Haffmans Verlag, Zürich 2000
ISBN 9783251203147
Gebunden, 511 Seiten, 30,17 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Susanne Luber. Oscar Wilde (1854-1900) ist nach Shakespeare der am häufigsten zitierte Autor im englischen Sprachraum. Seine Persönlichkeit prägte eine ganze Epoche. Wilde ist aber auch ein eminent moderner Mensch, ein typischer Charakter des 20. Jahrhundert; er war besessen vom Personenkult und unermüdlich in seiner Selbstinszenierung. Sein Leben war vielleicht gar nicht interessanter als das von vielen anderen, aber er lebte es in der Öffentlichkeit. Seine Konversation galt den Zeitgenossen mehr als selbst die gefeiertsten Erzeugnisse seiner Feder; das Gespräch und die Reaktionen seiner Zuhörer inspirierten seine schöpferische Phantasie. Zu lange ist Oscar Wilde als tragische Figur gesehen worden. Die Biografen machten ihn entweder zum Märtyrer oder zum Stutzer. Der hundertste Todestag ist der geeignete Zeitpunkt für ein neues, differenziertes Bild. Barbara Belford sichtete erstmals bislang unveröffentlichte Briefe Wildes und wirft Licht auch wenig beleuchtete Aspekte in seinem Leben: seine Faszination von der katholischen Kirche und dem Okkulten, seine Rivalität zum Bruder Willie und seine Zusammenarbeit mit George Alexander und Herbert Beerbohm Tree.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2001

Volker Breidecker kann dieser Biografie nur wenig abgewinnen. Zunächst scheint er es reichlich verwunderlich zu finden, dass die Autorin hier - gerade was den Prozessverlauf und das Urteil, das Wilde für fünf Jahre hinter Gitter brachte - `eine freundlichere Geschichte` erzählen möchte. Bedford ersetzt hier den "tragischen Telos durch das fidele `Coming-Out` homosexueller Identitätsfindung", wie Breidecker diagnostiziert. Über Wildes Werk erfahre der Leser dafür nur wenig. Zwar werde viel aus dem Werk zitiert, doch dienen diese Zitate nach Ansicht des Rezensenten lediglich dazu, wiederum die Suche nach homosexueller Identität zu belegen - mehr nicht. Kein Wunder, räumt doch die Autorin selbst ein, wie der Leser erfährt, dass sie Wilde letztlich für einen `eher mittelmäßigen Schriftsteller hält`. Positiv hebt Breidecker hervor, dass man in dieser "flüssig und streckenweise sogar amüsant" zu lesenden Biografie einiges über Wilde als Objekt von Fotografen erfährt. Doch auch dies hat in seinen Augen eine Kehrseite, denn hier treten - wie er meint - "allzu stereotype Muster von männlicher Homosexualität" und die dazugehörigen Mythen in den Vordergrund.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000

Die Widersprüche in Oscar Wildes Leben zu verbinden: das ist es wohl, was die vielen Biografen seit eh und je reizt, meint Rezensent Rudolf Walter Leonhardt. Auch im Jubiläumsjahr wieder sechs neue Bücher - allein in Deutschland. Was kann noch Neues geschrieben werden? Leonhardt selbst schreibt sehr viel und viel Interessantes in seinem Artikel. Wenn er allerdings formuliert: "Meine aus Angelesenem zusammengedachten Antworten beanspruchen keine Unfehlbarkeit", ist es doch schade, dass er nicht angibt, welche seiner Meinungen er aus welchem Buch angelesen hat. An der Wilde-Biografie von Barbara Belford kritisiert der Rezensent den Mangel an Belegen für ihre Thesen. Insgesamt habe die Amerikanerin ein Buch geschrieben, das "eher unterhaltend als belehrend" sei. Belford hat bereits über Bram Stoker und Violet Hunt Biografien verfasst, aber "der Zugang zum Literarischen ist ihr nicht so vertraut", schreibt Leonhardt und meint damit wohl speziell den wissenschaftlichen Zugang.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.11.2000

Scharfsinnig und mit kühler Ironie lässt Ulrich Horstmann zwei von drei im 100. Todesjahr erschienen Biographien Oscar Wildes an seinem Wilde-Verständnis und des Dichters eigenen Aussagen auflaufen: Die Wilde-Biografien von Richard Ellerman und Barbara Belford finden keine Gnade vor seinen Augen. Belford will alles besser machen, so Horstmann, was aber nach hinten losgehe: Auch das Elend der letzten Jahre Wildes ordne sie ihrer Prämisse unter, eine "freundlichere Geschichte zu erzählen". Da, wo für die Zeitgenossen der Skandal war, liegt für Belford die Befreiung, für Horstmann nichts anderes als ein "kopfstehender Viktorianismus". Die "homosexuelle Märtyrerkrone", so Horstmann, funkelt, aber auch von ihr fällt kein Licht aufs Werk. Nur Norbert Kohls Wilde-Biografie kann vor den Augen des Rezensenten bestehen.
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