Norbert Kohl

Oscar Wilde

Leben und Werk
Cover: Oscar Wilde
Insel Verlag, Frankfurt am Main - Leipzig 2000
ISBN 9783458170235
Gebunden, 333 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Diese neue Biographie verbindet das Lebensporträt des Autors mit der Darstellung und Deutung seines Oeuvre. Norbert Kohl zeichnet das Leben dieses ebenso facettenreichen wie faszinierenden Autors nach und kommentiert konzis, auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstandes, seine wichtigsten, heute noch gültigen Werke, darunter die Märchen und Erzählungen, die Gesellschaftskomödien sowie die Ästhetik Wildes. Die Aktualität von Wildes Werk ist unübersehbar: radikale Ich-Bezogenheit, die Fetischisierung der Jugend und eines makellosen Körpers ebenso wie die Lust an schönen Gegenständen, der Ersatz von Glückshoffnung durch genusssüchtige und kurzlebige Komsumbefriedigungen, die Reduktion des Zeithorizonts auf die Gegenwart und in der Gegenwart auf den Augenblick: All diese Komponenten des Fin-de-siecle-Hedonismus nehmen sozialweltliche und kulturelle Phänomene vorweg, die unserer heutigen "Erlebnisgesellschaft" das Gepräge geben.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000

Die Widersprüche in Oscar Wildes Leben zu verbinden: das ist es wohl, was die vielen Biografen seit eh und je reizt, meint Rezensent Rudolf Walter Leonhardt. Auch im Jubiläumsjahr wieder sechs neue Bücher - allein in Deutschland. Was kann noch Neues geschrieben werden? Leonhardt selbst schreibt sehr viel und viel Interessantes in seinem Artikel. Wenn er allerdings formuliert: "Meine aus Angelesenem zusammengedachten Antworten beanspruchen keine Unfehlbarkeit", ist es doch schade, dass er nicht angibt, welche seiner Meinungen er aus welchem Buch angelesen hat. Zur Wilde-Biografie von Norbert Kohl merkt der Rezensent an, sie sei bereits das zweite Buch des Freiburger Anglisten über Wilde. Außerdem sei Kohl Herausgeber der 10bändigen Wilde-Ausgabe von 1982. Der Rezensent hält allerdings Kohls "Versuch, literarische Interpretationen und Lebensbeschreibungen zu mischen", für nicht ganz gelungen. Das sei auch bereits am Sprachstil erkennbar, wenn Kohl "kritischen akademischen Stil mit einer Art von vie romancee zu verbinden" versucht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2000

Oscar Wilde ist vor hundert Jahren gestorben und der Buchmarkt produziert zu diesem Anlass Wildeiana en masse. Holger Gumprecht hat sich einige der Neuerscheinungen bzw. Neuausgaben angesehen und informiert (nach einer länglichen biografischen Einleitung zum unglücklichen Schicksal des Autors) darüber in einer Sammelbesprechung. Mut gehört schon dazu, stellt der Rezensent fest, nach Richard Ellmans Monumentalwerk eine weitere ambitionierte Wilde-Biografie zu schreiben. Der Anglist Norbert Kohl aber habe seine Kennerschaft bereits als Herausgeber der Insel-Ausgabe und in vielen Aufsätzen unter Beweis gestellt - und auch das neue Buch enttäusche nicht. Holger Gumprecht lobt den "leicht lesbaren Erzählstil" und findet es bemerkenswert, dass sogar Spuren von Humor und Ironie zu entdecken sind. Um aber keinen falschen Verdacht aufkommen zu lassen, legt er Wert darauf, dass trotz Humor die "wissenschaftliche Akkuratesse" gewahrt bleibe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.11.2000

Scharfsinnig und mit kühler Ironie lässt Ulrich Horstmann zwei von drei im 100. Todesjahr erschienen Biographien Oscar Wildes an seinem Wilde-Verständnis und des Dichters eigenen Aussagen auflaufen: Die Wilde-Biografien von Richard Ellerman und Barbara Belford finden keine Gnade vor seinen Augen. Erstere ist ihm zu uninspiriert, zweitere setze dem Dichter eine "homosexuelle Märtyrerkrone" auf, die leider keinerlei Erkenntnisgewinn für das Werk bringe. Das ist nun bei Norbert Kohls Wilde-Biografie anders, atmet Horstmann auf. "Trendsicher" fasse auch er bestimmte Wilde-Texte als "homoerotische Bekenntnisschriften" auf, aber bei ihm sei Schluss mit "Stoffhuberei" und ein Anfang der Erkenntnis. Hier kann man Wilde in seiner "epocheresistenten Subversion" verstehen, verspricht der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2000

Ingeborg Harms mag diese Biografie nicht. Sie findet Norbert Kohls Schelte der viktorianischen Gesellschaft "heuchlerisch" und "intolerant". Die Erörterung der Hauptwerke Wildes findet sie unoriginell. Am meisten aber missfällt ihr die "spiegelbildliche Beflissenheit" mit der Kohl hier versuche, einen Autor zu verteidigen, der längst schon in den akademischen Kanon aufgenommen worden sei. Am Ende ihrer Kritik gibt Harms noch bekannt, dass Kohl bei seiner Interpretation von Wildes Werken auf seine vor zwanzig Jahren erschienene Wilde-Monografie zurückgegriffen hat. Kein Wunder, dass in dem Buch nichts Neues steht. Hätte die Rezensentin das doch gleich am Anfang ihrer Kritik gesagt.
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