Wenedikt Jerofejew

Moskau - Petuschki

Ein Poem
Cover: Moskau - Petuschki
Kein und Aber Verlag, Zürich 2005
ISBN 9783036951416
Gebunden, 270 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen übersetzt und mit einem Anmerkungsapparat versehen von Peter Urban. Die aberwitzige Reisebeschreibung einer feuchtfröhlichen Zugfahrt gehört schon heute zu den modernen Klassikern der russischen Literatur. Sein Köfferchen voller Schnaps fest ans Herz gedrückt, besteigt der Moskauer Venedikt Venicka, der den Kreml noch nie gesehen hat, weil er im Suff immer wieder daran vorbeigefahren ist, am Kursker Bahnhof den Vorortzug nach Petuski. In Petuski, wo die Vögel nicht aufhören zu singen, wo sommers wie winters der Jasmin nicht verblüht, will er seine rothaarige Geliebte und den gemeinsamen Sohn besuchen. Die Reise gerät allerdings aus der Bahn und wird zu einer einzigen Sauftour: Venicka trinkt, die Mitreisenden trinken, und sogar der Oberschaffner trinkt mit. Von Station zu Station und von Flasche zu Flasche werden Venickas Monologe und sein Gedankenaustausch mit den Reisegefährten absurder. Venickas Schicksal aber ist schon längst besiegelt: "Nach Petuski", meint die Sphinx mit blutsaugerischem Lachen, "kommt überhaupt keiner ..."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2005

Lob für alle von Ilma Rakusa: Wenedikt Jerofejew versteht sein Handwerk - das des Dichters - ebenso wie Peter Urban dasjenige des Übersetzers. Die schon längst legendäre literarische Reise "Moskau-Petuschki" kann der deutsche Leser nun noch einmal machen, in neuer, "souveräner" Fassung. Einen "kühnen Charme" besitze dieses Werk, urteilt Rakusa; der Roman ist grotesk, ironisch, poetisch, voller delirierend-gewagter Bilder. Mit einem "extrem dichten, anspielungsreichen Text" habe man es zweifellos zu tun, so Rakusa, und Anerkennung verdient Übersetzer Urban für seine "pedantisch ausführlichen Kommentare", die Jerofejews profunde Gelehrsamkeit durchschaubar machen sollen. Gleichwohl - dem Werk nähert man sich am besten ohne allzu viele Ausdeutungsambitionen, meint Rakusa, denn im Rausch verlieren sich leicht die Grundlagen "allzu rigoroser Auslegung".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

Ulrich Horstmann findet Wenedikt Jerofejews Säufer-Saga richtig gut und vergleicht sie mit einem "Spitzendestillat", das im "obersten Regal" neben Joseph Roths "Legende vom heiligen Trinker" anzusiedeln sei. Wenedikt Jerofejew, ein "Querkopf und Schlitzohr", erzählt darin die Geschichte einer Eisenbahnreise in den Frühling von Petuschki, die sich in eine "Höllenfahrt" verwandelt. Dringend empfiehlt der Kritiker dem Leser, sich diesem "Rausch" hinzugeben; schließlich hat es lange genug gedauert, bis das vom Sowjetregime einst verbotene Buch den Sprung in die Öffentlichkeit geschafft hat. Warum der deutsche Übersetzer das Werk aber nun mit hundert Seiten Erläuterungen versehen hat, kann der Rezensent nicht verstehen. Er findet die "Verakademisierung", den "dozierenden Tritt in die Kniekehlen", der den Leser in eine "Anbetungshaltung" bringen soll, völlig überflüssig und unangebracht. Und gibt dem Leser den Rat, "ohne diese Fahrkarte" in Jerofejews Werk einzusteigen.
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