Das Gemälde "Las Meninas" oder "Die Hoffräulein" im Museo del Prado zu Madrid gilt als das Hauptwerk des Diego Velazquez. Vom Spiegel der "Meninas" ist in einem gegenständlichen und einem übertragenen Sinn die Rede. Zum einen ist der an der Rückwand des Raums aufgehängte Spiegel gemeint, der das Doppelbildnis des spanischen Königs Philipps IV. und seiner Gemahlin Mariana von Österreich reflektiert. Zum anderen stellt das Gemälde als Ganzes einen "Spiegel" dar, der mit dem berühmten Selbstbildnis des Malers ein umfassendes Bild auch seines Künstlertums wiedergibt. Auf den "Meninas" spricht Velazquez über sich selbst, aber auch über sein Verhältnis zu seinem künstlerischen "Konkurrenten" Peter Paul Rubens, dessen Gemälde in Kopienform im Hintergrund des dargestellten Saales zu sehen sind. Wieso aber hat Velazquez sie bis zur Unkenntlichkeit verdunkelt? Die Analyse der "Meninas" führt zur Kritik bisheriger Interpretationen und zu einem neuen Verständnis der Malerei des Velazquez insgesamt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.06.2005
Dieses Buch zu Velazquez' berühmtesten Gemälde "Meninas" sei der "große Wurf", der hundert Jahre nach Carl Justis Standardwerk eigentlich nicht mehr zu erwarten war, beginnt der Rezensent in entsprechend hohem Ton. Reinhard Liess habe tatsächlich aus dem legendären kleinen Spiegel, der im Hintergrund des Gemäldes zu sehen ist, eine neue Deutung herausgelesen. Die bisherigen naturalistischen Interpretationen, wonach das Königspaar im Spiegel entweder auf der Leinwand des Malers oder in der Raumachse des Bildbetrachters zu lokalisieren sei, könne Liess widerlegen. Aus einem tieferen Verständnis von Velazquez' Kunst mache der Autor plausibel, dass eine realistische Deutung nicht allein aus geometrischen Gründen auszuschließen sei. Im Spiegel sei vielmehr die "Bildnisvision" des vor dem Spiegel stehenden Malers zu sehen. Gewissermaßen der Imaginationsfunke im Moment des Aufblitzens. Entscheidend für die "aufregenden Einsichten" des Buches sei, so der Rezensent, dass Liess als Rubensspezialist anhand der Bilder, die in der gemalten Gemäldegalerie sonst noch zu erkennen sind, Velasquez' Auseinandersetzung mit dem Kollegen Rubens als zentralen Kontext lesbar macht.
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