Ralph Ghadban

Tariq Ramadan und die Islamisierung Europas

Cover: Tariq Ramadan und die Islamisierung Europas
Hans Schiler Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783899301502
Kartoniert, 170 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

In Kreisen des interreligiösen Dialogs gilt der Schweizer ägyptischer Abstammung, Tariq Ramadan, als moderat oder sogar als Modernist. Dort wird behauptet, er bekämpfe die Gewalt und setze auf den Dialog. Durch sein neues Verständnis des Islams trage er zur Integration der Muslime im Westen bei und entwickle einen modernen europäischen Islam, der sich eventuell auf den Modernisierungsprozess in der islamischen Welt auswirken könne. In den Medien streitet man jedoch darüber, ob Ramadan ein Islamist oder doch ein Islamreformer sei. Die Schwierigkeit, Ramadan richtig zu verstehen, ist hauptsächlich auf seine Interkulturalität zurückzuführen, die es ihm erlaubt, von einem kulturellen Feld zum anderen zu wechseln. Seine interkulturelle Kompetenz setzt Ramadan meisterhaft und bewusst ein, um die alten Konzepte der islamischen Kultur mit der modernen Terminologie der westlichen Kultur hoffähig zu machen. So erscheint zum Beispiel der Djihad als Befreiungskrieg und das Kopftuch als Ausdruck der Emanzipation der Frau. Ramadan fordert häufig auf, ihn zu lesen, um Missverständnisse auszuräumen. Ist er Traditionalist, Islamist, Salafi, Salafireformer oder Liberalreformer? Die Beantwortung dieser Frage ist entscheidend für die Einschätzung der Positionen Ramadans bezüglich Integration, Islamisierung, Menschenrechte und Demokratie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2006

Nicht immer einverstanden ist Volker S. Stahr mit dieser Studie über den politisch exponierten ägyptischstämmigen Schweizer Islamwissenschaftler Tariq Ramadan, die Ralph Ghadban vorgelegt hat. Auch wenn er dem Autor eine "sehr durchdachte" und "wissenschaftliche" Art bescheinigt, betrachtet er dessen Ausführungen über Ramadan mit Skepsis. Ghadbans Einschätzung Ramadans als "orthodoxem" Muslim, der zwar die westlichen Demokratien akzeptiere, nicht aber die Menschenrechte, kann Stahr nicht teilen. Er hält dem Berliner Islam- und Politikwissenschaftler vor, sich in seiner eigenen Begrifflichkeit, die etwa "liberal" und "orthodox" in einer Person nicht zulasse, zu verfangen. Zudem moniert er bei Ghadban einen "unterschwelligen Hang" zur negativen Bewertung seines Gegenstandes.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.06.2006

Der Hauptkritikpunkt an dieser Streitschrift gegen Tariq Ramadan ist für Wolfgang Schwanitz, dass Ralph Ghadban seinen Vorwürfen und der Demontage von Ramadan keine eigenen Vorschläge folgen lässt, wie sich der Westen und der Islam denn vertragen können. Der Rezensent beschränkt sich abgesehen davon auf eine Wiedergabe von Ghadbans Kritik, der Ramadan unterstellt, keine echte Integration der europäischen Muslime anzustreben, sondern vielmehr die Islamisierung Europas im Sinn zu haben. An einer Stelle widerspricht er dem Autor aber doch direkt: In den Augen von Schwanitz ist Ramadans Vorschlag für ein Aussetzen der Steinigung von ehebrüchigen Frauen gar nicht so verwerflich. Schließlich müsse Ramadan zwischen dem Westen und dem Islam vermitteln und deshalb Kompromisse schließen.

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