Eine der drängendsten Aufgaben unserer Gesellschaft ist Integration. Doch kein Thema polarisiert stärker. Staat und Gesellschaft stehen dieser Aufgabe bisher planlos gegenüber, es mangelt an konkreten Konzepten, einer unvoreingenommenen, sachlichen Debatte und langfristigen Plänen.
Der Psychologe und Autor Ahmad Mansour, selbst muslimischer Immigrant, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Problemen und Chancen von Integration. Er reiste durch ganz Deutschland, besuchte Haftanstalten, Schulen und Flüchtlingsunterkünfte und sprach mit Politikern, Lehrern und Sozialarbeitern. So hat er wie niemand sonst erfahren, wie Zusammenleben funktionieren und woran es scheitern kann. Ohne falsche Rücksichtnahme spricht er offen an, in welchen gesellschaftlichen Bereichen Veränderungen nötig sind, wo die Politik oder jeder Einzelne gefragt ist und welche Werte unverhandelbar sind. Mansour macht unmissverständlich klar, dass wir alle umdenken müssen - ein eindrücklicher Appell.
Claus Leggewie sieht in Ahmad Mansour einen Vertreter der integrierenden Vernunft, der - wie auch Aladin El-Mafaalani - aus persönlicher Erfahrung auf den Islam in Deutschland blickt. Und so schlecht sieht es laut Mansour gar nicht aus, erklärt Leggewie, wenn man die große Zahl der Muslime betrachtet. Aber klar: Der islamische Fundamentalismus habe sehr wohl etwas mit dem Islam zu tun, paraphrasiert Legggewie den Autor, man dürfe ihm aber nicht das Deutungsmonopol zusprechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.08.2018
Angesichts rechten Alarmismus, linker Beschönigungen und eines "planlosen Durchwurstelns" der Politik liest sich Ahmad Mansours Buch für die Rezensentin Regina Mönch wie eine wohltuende Rückbesinnung auf die Realität. Mansour wisse, wovon er rede. Als Psychologe arbeitet er mit Kindern aus Migrantenhaushalten, er wisse auch, wie oberflächlich eine scheinbar gelungene Integration häufig sei. Besonders beeindruckt ist Mönch von seiner Schilderung der teilweise recht gewalttätigen patriarchalen Struktur in vielen Migrantenfamilien, die manche Jugendliche in Kriminalität oder Extremismus trieben. Weniger anfangen kann Mönch mit der von Mansour geforderten "Wir-Wende", die ihr seltsam profillos scheint. Aber das ist nur eine von zehn Forderungen, die er stellt, schließt sie und weiß sich besonders mit seiner Forderung Nummer 10 einig: die innerislamische Debatte solle gefördert werden, und die einseitige Bevorzugung konservativer Islamverbände müsse aufhören.
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