Warum macht der Islam Angst? Beinhaltet er die Saat der Gewalt? Wieso lassen sich Tausende junger Europäer - und nicht nur Einwandererkinder - vom Dschihad vereinnahmen und ziehen für den IS in den Krieg? Welche Gehirnwäsche durchlaufen sie, bevor sie als ferngesteuerte Killer zurückkehren, bereit zu sterben? Tahar Ben Jelloun nimmt das ganze Bild in den Blick. Er spricht von der Trostlosigkeit einer Vorstadtjugend, die sich von der Gesellschaft verstoßen fühlt. Er versetzt sich in die Köpfe der islamistischen Mörder. Er beschreibt, wie mit dem IS binnen weniger Jahre eine Terrororganisation entstehen konnte, die al-Qaida in den Schatten stellt. Er betont die Verantwortung der Golfstaaten, die den Terror finanzierten, er geht mit den Fehlern des Westens ins Gericht und geißelt die zynische Strategie Putins. Die große Mehrheit der Muslime lehnt den Islamismus ab. Doch Ben Jelloun macht deutlich: Die Muslime müssen ihre Haltung ändern und einen Islam erfinden, der vereinbar ist mit Demokratie und Rechtsstaat, der den Wert des Individuums anerkennt und die Gleichstellung der Frau.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.04.2015
Arno Widmann wird nicht glücklich mit diesen Texten des französischen Philosophen und Psychologen Tahar Ben Jelloun. Nicht dass der Autor keine fertigen Rezepte zum Thema Islam und Islamismus anzubieten hat, stört den Rezensenten. Nein, die Denkbewegungen, zu denen der Autor den Leser einlädt, scheinen ihm zunächst als durchaus geeignetes Mittel, sich dem Problem zu nähern. Allerdings bekommt Widmann bald den Eindruck, hier nur umständlich längst Gedachtes von jemandem ausgebreitet, dem die in den Texten vorherrschende Rollenprosa als "Gleitgel" dient. Und dass Jelloun Terroristen notorisch als Hohlköpfe darstellt, wird der Sache laut Widmann auch nicht gerecht.
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