Arnold Zweig

De Vriendt kehrt heim

Roman
Cover: De Vriendt kehrt heim
AB - Die Andere Bibliothek, Berlin 2024
ISBN 9783847704829
Gebunden, 276 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

An einem Spätsommerabend des Jahres 1929 wird der Schriftsteller und Jurist Jizchak Josef de Vriendt in Jerusalem erschossen. Ein Attentat aus dem Hinterhalt. Kommt der Mörder aus den zionistischen Kreisen, die in dem klugen, auf Ausgleich mit der arabischen Seite bedachten Politiker einen Verräter an der nationalen Sache sehen? Oder aus der Familie des jungen Arabers Saûd, der für de Vriendt mehr war als ein Schüler? Mr. Irmin, Chef des Geheimdienstes bei der britischen Verwaltung von Palästina, ein Freund de Vriendts und eingeweiht in dessen Freigeisterei, will den Täter stellen. Seine Fahndungen konfrontieren ihn mit der explosiven Situation im Land, den rivalisierenden Bevölkerungsgruppen der Araber, Juden und Christen, mit einer überwältigenden Landschaft und einer historischen Tradition von mehr als dreitausend Jahren. Arnold Zweigs Roman von 1932 gilt als erster historischer Roman über den Nahostkonflikt und basiert auf einem wahren Mordfall. Mit seiner literarischen Bearbeitung der Ereignisse vermag er den Verstrickungen auf den Grund zu kommen, die die Welt noch immer in Atem halten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.03.2025

Einen Politthriller, aber vor allem Erhellendes über den Beginn des Nahostkonflikts findet Rezensent Jakob Hessing in Arnold Zweigs Roman "De Vriendt kehrt heim". In Anlehnung an den, wohl politischen, Mord am holländischen Dichter Jacob Israël de Haan im Jahr 1924, entfaltet Zweig die Geschichte um Jizchak Josef de Vriendt, der im Jahr 1929 in Palästina ermordet wird. Kurze Zeit später findet das Massaker von Hebron statt - Zweig versetzt seine Geschichte also an den Beginn des arabisch-jüdischen Konflikts, erklärt der Kritiker. Der Roman erzählt in drei Teilen und aus unterschiedlichen Perspektiven: der des britischen Geheimdienstlers Loland B. Irmin und der des orthodoxen Dichters de Vriendt selbst, der der zionistischen Idee ablehnend gegenüber steht. Irmin wird den Mord, der in der Mitte des Romans passiert, aufklären, verrät Hessing, der Täter ist ein jüdischer Nationalist. Für Arnold Zweig symbolisierten das Opfer und sein Mörder fanatische Extreme, so Hessing: "kompromissloser Gottesmann" auf der einen und mordender Nationalist auf der anderen. Für Zweig als säkulärem Juden und Pazifisten "zwei Unmöglichkeiten", die er beide ablehnte, erklärt der Kritiker, einen anderen Ausweg für sein Volk als den Zionismus sah er aber auch nicht. Diese "Identitätskrise des deutschen Judentums", sowie die großen "Ambivalenzen des zionistischen Aufbauprojektes" sieht der Kritiker hier detailliert verhandelt und empfiehlt diese "gut kommentierte" Neuedition daher auch mit Blick auf die Aktualität. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2024

Rezensentin Sonja Zekri ist sehr angetan von Arnold Zweigs Roman, der angesichts der aktuellen Lage im Nahen Osten hochaktuell ist. Dabei ist er 1932 entstanden und zentral geht es, erfahren wir, um einen Mordfall im Jahr 1929, Opfer ist Jizchak Josef de Vriendt, ein pädophiler orthodoxer Jude im damaligen Palästina, verdächtigt werden Araber. Tatsächlich waren aber, zeichnet Zekri nach, zionistische Juden die Täter, wie auch im Modell stehenden realen Mord am Schriftsteller Jacob Israël de Haan. Eine politisch brisante Konstellation, findet Zekri, und gerade deshalb so erhellend. Der europäische Antisemitismus ist ein wichtiger Kontext der Geschichte, erläutert die Rezensentin, aber auch die innerjüdischen Auseinandersetzungen zwischen Orthodoxen und Zionisten. Zekri stimmt Meron Mendel zu, der im Vorwort des Buches darüber schreibt, dass die Ausgangssituation des israelisch-palästinensischen Konflikts schon seit langem unverändert ist und bereits vor der Gründung Israels existierte. Dennoch macht Zekri dieses Buch Hoffnung, da es auf die Möglichkeit historischer Veränderungen verweist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.09.2024

Eine Neuveröffentlichung zur rechten Zeit wird hier laut Rezensent Wilhelm von Sternburg vorgelegt. Arnold Zweigs Palästinaroman spiegelt laut Sternburg, obwohl bereits 1932 erschienen, die Verhärtung der Fronten im Israel-Palästina-Konflikt seit der Ermordung Jitzchak Rabins durch jüdische Extremisten. Auch Zweig schreibt, lesen wir, über einen Mordanschlag durch radikale Orthodoxe: Im Buch heißt das Opfer Josef de Vriendt, historisches Vorbild war der 1924 getötete Schriftsteller Jacob Israël de Haan. Das Buch entfaltet sich, beschreibt Sternburg, als Krimi und auch als Sittengemälde, es beschwört die natürliche Schönheit des damaligen Mandatsgebiets und plädiert für eine humanistische Perspektive, die sich von den nationalistischen Eiferern beider Seiten löst. Sternburg rekonstruiert die Rezeptionsgeschichte des von verschiedenen Seiten kritisierten Werkes und betont abschließend noch einmal dessen Aktualität.

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