Armen Avanessian, Anke Hennig

ONE + ONE

Spekulative Poetik von Feminismus, Algorithmik, Politik und Kapital
Cover: ONE + ONE
Merve Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783962730451
Kartoniert, 152 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

"'Sie weiß es', lese ich dich eifersüchtig an den Rand schreiben. (...) So wenig du dir und deinem eigenen Schreiben traust, umso hemmungsloser vertraust du jedem Satz, den sie gegen dich oder gegen sich selber schreibt. Denn das meinte und meint 'Du weißt es' immer auch und zuallererst, dass wir, keiner von uns, je recht hat. Sondern immer der andere, und wenn wir (wie eigentlich fast immer) unterschiedlicher Meinung sind, nur sie - und nur gegen sich bzw. ihre Meinung - beweisen kann, warum du recht hast. Nur sie weiß, warum du recht hast, und 'Ich' hat insofern nie recht, weiß es doch nie, warum diese oder jene Einschätzung der Dinge nun die wahre ist."
In "ONE + ONE" entwickeln Armen Avanessian und Anke Hennig ihr kollaboratives Projekt 'Spekulative Poetik' noch einmal weiter - hin zu einer Praxis schreibenden Nachdenkens. Mit ihrer Suche nach neuen poetischen Ausdrucksformen jenseits des universitären Diskurses, aber auch gängiger ästhetischer und kritischer Arten des Schreibens, stellen sie sich den politischen und ethischen Konsequenzen aus ihrer Methode, die verlangt, nicht nur neue Positionen zu bestimmen, sondern auch für diese einzustehen.
Die Frage, wie Sprache Wirklichkeit verändert und Subjekte schreibend zu anderen werden, führt die beiden in Bereiche wie Technologie, Ökonomie oder Geopoetik. Sie lesen Texte von AutorInnen wie Kathy Acker, Chris Kraus oder Quentin Meillassoux, überschreiben ihre früheren Positionen und konfrontieren einander mit ihrer theoretischen und para-akademischen Praxis. Was heißt Zeitgenossenschaft in einer geteilten Gegenwart? Wie eignen Algorithmen sich Bedeutung an? Und welches spekulative Kapital lässt sich aus den Innovationen der Finanzwirtschaft schlagen?
Das neben dem parallel entstandenen "I - I" vierte gemeinsame Buch von Avanessian und Hennig entfaltet sich in einem Austausch unterschiedlicher Stimmen, die hin und wieder zu einem Wir zusammenlaufen - manchmal teilen sie eine Meinung, oft aber sind sie auch geteilter Meinung. Was sie verbindet, ist der Zweifel an der Überzeugung, dass Individualismus als gelungenste Form der Subjektivität zu gelten hat und individuelle Selbstreflexion noch Ausdruck einer produktiven philosophischen Haltung ist. "Es bedarf in der Tat keines universalen oder neutralen Subjekts, um eine Ethik oder Politik zu entwickeln. Wessen es auf dem Weg über ein einzelnes egoistisches und solipsistisches Selbst hinaus bedarf, ist lediglich die Begegnung mit einem Anderen."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.07.2020

Dieser Band ist zusammen mit dem Band "I - I. Spekulative Poetik von Feminismus, Algorithmik, Politik und Kapital"der Abschluss des kollaborativen Projekts "Spekulative Poetik", das die Literaturwissenschaftlerin Anke Hennig und der Philosoph Armen Avanessian ins Leben gerufen haben, um dem universitären Diskurs eine wahrhaft kreative Ausdrucksform entgegensetzen zu können, erklärt Rezensent Tom Wohlfarth. Der nicht immer einfache "Trialog" der beiden miteinander und mit ihren früheren Thesen berührt unter anderem die Themen präemptive Kriegsführung, das Geschlecht maschineller Intelligenz und die Finanzialisierung des Lebens, ist pointiert, voller interessanter Beispiele und intelligent - ein Beispiel für bestens gelungenes "Othering", lobt der Rezensent.
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