Antonio Tabucchi

Tristano stirbt

Roman
Cover: Tristano stirbt
Carl Hanser Verlag, München 2005
ISBN 9783446206632
Gebunden, 232 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. Ein Haus auf dem Land, irgendwo in der Toskana, im letzten Jahr des 20. Jahrhunderts. Am Ende seines Lebens holt Tristano einen Schriftsteller an sein Krankenbett. Beim Versuch, die Widersprüchlichkeit seines Lebens in den Rahmen einer Erzählung zu fassen, mischen sich Figuren aus Romanen, Zitate aus Liedern und Szenen aus alten Filmen in seine Erinnerung. So entsteht ein facettenreiches Bild Italiens von der Zeit der Partisanenkämpfe bis in die jüngste Vergangenheit...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.01.2006

Eine beachtliche Fallhöhe attestiert Rezensent Martin Krumbholz Antonio Tabucchis jüngstem Roman. Im Vergleich zu seinem "Meisterstück" "Erklärt Perreira" habe der Autor hier nicht mehr als eine Kolportage aus "Gemeinplätzen" und "Leerstellen" im Wortsinn vorgelegt. Tristano, ein im Sterben liegender früherer Widerstandskämpfer bittet einen Schriftstellerfreund zu sich, um seiner Lust am Plaudern und einer "Philosophierlaune" nachzugehen. Heraus komme, so der Rezensent, ein schriftlich mit Pünktchen simulierter mündlicher Monolog, eine Art "Potemkinsches Dorf" an Lebensresümee. Worauf das alles hinauslaufen soll, beklagt der Rezensent, "verschwimmt im raunenden Erzählton". Als Vorschlag zur Güte bietet er an, man möge doch dem alles geflissentlich notierenden Schriftstellerfreund die Schuld an dem Ganzen geben, und ihn möglichst nicht Tabucchi nennen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.11.2005

Mit dem jüngsten Roman von Antonio Tabucchi ist Maike Albath nicht glücklich. Auf seinem Sterbebett erzählt Tristano in einem Monolog einem protokollierenden "Schriftsteller" in Assoziationen, Zeitsprüngen und Widersprüchen noch einmal sein Leben, wobei ein Kriegserlebnis in den toskanischen Bergen im Zentrum steht, fasst die Rezensentin zusammen. Das "Wagnis", sich bei diesem Roman lediglich auf die Perspektive des Monologisierenden zu "verlassen" zahlt sich in diesem Fall nicht aus, findet Albath, weil weder Inhalt noch Form des Vorgebrachten die Kraft haben, die Leser zu "bestechen". Die Rezensentin ist von den vielen "Bildern von fellinianischer Qualität" und den "amüsanten Seitenhieben" auf die italienische Gegenwart zwar durchaus eingenommen. Insgesamt aber bemängelt sie, dass allzu viel in diesem Buch im "Ungefähren" belassen wird und sich zudem eine mit Zitaten und Anspielungen gespickte "Rätselhaftigkeit" einstellt, die, wie die nun langsam ärgerlich werdende Rezensentin meint, zur "Manie" wird. Am Ende hat man den "Faden verloren", beschwert sich die Rezensentin, die zudem kritisiert, dass die "tragische Fallhöhe", die von den Erlebnissen der Hauptfigur zu erwarten wäre, nicht wirklich gegeben ist. "Das Prätentiöse überdeckt alle ehrenwerten Absichten", so Albath enttäuscht.
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