Ugo Riccarelli

Der vollkommene Schmerz

Roman
Cover: Der vollkommene Schmerz
Zsolnay Verlag, Wien 2006
ISBN 9783552053878
Gebunden, 416 Seiten, 23,50 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Karin Krieger. Eine aus unendlich vielen Rädern und Gewichten bestehende Maschine steht für die zahllosen Verbindungsstücke, die die Geschichte einer Familie zusammenhalten: Der Maestro ist als junger Anarchist Ende des 19. Jahrhunderts aus dem tiefen Süden Italiens in die Toskana gekommen, hat sich in eine schöne Witwe verliebt und hinterlässt mehrere Kinder, als er bei einer Demonstration erschossen wird. Eines davon, Cafiero, wird Annina heiraten, die resolute Tochter des Schweinezüchters Odysseus Bertorelli, und so vermischen sich die Schicksale von Idealisten und Pragmatikern, von Träumern und Geschäftemachern, Gewinnern und Verlierern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2006

Mit großem Lob bedenkt Rezensent Winfried Wehle diese historisierende Familiensaga Ugo Riccarellis. Dabei hat weniger das Thema - die Zumutungen der Moderne, die die Menschen aus ihren traditionellen Bindungen reißt - Eindruck bei ihm hinterlassen, als die "provozierende Zuspitzung" seiner Darstellung, begleite doch der "vollkommene Schmerz" die Protagonisten wie eine Geschichtskrankheit durch den Text. Er schwärmt von der "unerschöpflichen Fabulierkunst", mit der Riccarelli rund dreißig Lebensläufe miteinander verwebt. Allerdings bietet der Autor für seinen Geschmack ein wenig "viel Tod" auf, um zu sagen, dass, auch wenn Geschichte keinen Sinn für den Einzelnen habe, in den Geschichten der Menschen jenseits der großen Geschichte die Träume, Illusionen, Utopien von einem erfüllten Leben aufgehoben sind.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.08.2006

Auf die Knie geht Rezensent Volker Breidecker vor diesem Roman über hundert Jahre im Leben zweier italienischer Familien, den er gleichrangig neben Garcia Maria Marquez Epos "Hundert Jahre Einsamkeit" stehen sieht. Als Vergleichswert fällt ihm auch Bernardo Bertoluccis Film "1900" ein. Beim Lesen dieser Geschichte über hundert Jahre soziale und politische Kämpfe, privates Glück und Leid war ihm immer wieder zumute, als höre er Liedern zu, so leidenschaftlich und herzzerreißend werde erzählt, so intensiv und ohne alle Manierismen. Im Taumel der Begeisterung vergisst der Rezensent allerdings, dem Leser anhand konkreter Details ein genaueres Bild vom Inhalt des Romans zu vermitteln. Trotzdem steckt Breideckers Begeisterung an. Er lobt die Übersetzung, liest aber selbst lieber das Original, wie er schreibt, weil er dessen Sprachmusik ("sie kommt aus dem Land des Melodrams") einfach zu betörend findet. Schließlich reiht er im wie im Rausch gleich ein Dutzend italienischer Vokabeln aneinander, die ihm bei diesem Buch so in den Sinn kommen: "dolore, dolcezza, serenita, felicita, tristezza, tranquillita, pieta, solitudine, allegria, gentilezza, lentezza, speranza, leggerezza".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.08.2006

Ugo Riccarellis Roman "Der vollkommene Schmerz" ist zeitlich nicht leicht einzuordnen, schreibt Maike Albath. Stilistisch scheint es ihr, als sitze die Geschichte, die sich wie auf einem "alten Wandteppich" entfaltet, in einer "ästhetischen Lücke" zwischen den Zeiten. Die Sprache deute mit ihrem gelungen ins Deutsche übertragenen "archaisierend-lyrischen" Tonfall allerdings den Bezug zur Vergangenheit an; die Geschichte spielt kurz nach der italienischen Einigung 1859. Manchmal erscheint Albath der konsequent auktoriale Erzähler künstlich und die Erzählweise "mechanisch", sie lobt aber auch einige starken Szenen und die "gemächlich dahinfließende" Prosa, die durch die ineinander verwobenen Geschichten zweier Familien führt. Die autobiografisch angehauchte Erzählung dokumentiere außerdem noch zwei unterschiedliche Reaktionen auf politische Unterdrückung: Rebellion und Unterordnung. Und auch wenn die Rezensentin sich bei Riccarellis Roman manchmal nach dem "kalten Wind der Moderne" sehnte, muss sie doch zugeben, dass es sich hier um eine spannende Geschichte handelt.
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