Antje Ravic Strubel

In den Wäldern des menschlichen Herzens

Episodenroman
Cover: In den Wäldern des menschlichen Herzens
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2016
ISBN 9783100022813
Gebunden, 272 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Leigh. René. Emily. Sara. Sie sind Liebende, Begehrende, sie sind unterwegs und begegnen einander in der kalifornischen Wüste, am Stechlin, in finnischen Wäldern und im Eiswind Manhattens. Renés Verlust der ersten Liebe und Emilys Verschwinden setzen einen Reigen an Beziehungen in Gang, in denen sich klassische Liebesvorstellungen auflösen. Sara. Ute. Katt. Gerade das Oszillieren zwischen Ländern und Geschlechtern entfacht eine Faszination, die sich in unvertrauter Sinnlichkeit und neuen Sexualitäten offenbart.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2016

In diesem Roman erzählt Antja Rávic Strubel eine Reihe kleiner Liebesgeschichten und -abenteuer, in denen sie "die Konstanz der Geschlechter" hinter sich lässt, erklärt Rezensent Burkhard Müller. Männlein oder Weiblein, das spielt in dieser Welt kaum eine Rolle, "urinale Segregation" lässt Strubel eine ihrer Figuren den Binarismus der Geschlechtsteile beschimpfen, und auch die Zahl der wählbaren Gender hat sich vervielfacht, so der Rezensent. Strubel verfolgt und vertritt mit ihrem Roman also ein Konzept, und dieses Konzept findet Müller auch hinlänglich spannend - leider verlieren die einzelnen Episoden durch ihre der Vielfalt geschuldete Kürze an emotionalem Gewicht und die handelnden Figuren bleiben schemenhafter als es eine angestrebte Uneindeutigkeit begründen könnte, bedauert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.04.2016

Rezensentin Frauke Meyer-Gosau fragt sich am Ende der Lektüre von Antje Rávic Strubels Roman dann doch, was die hier episodisch durchgespielten Frauenbeziehungen, die so offensichtlich Geschlechterordnung durchkreuzen wollen, so von Beziehungen zwischen Mann und Frau unterscheidet. Einklang jedenfalls, wie es eine der Frauen aus einem Dreierverhältnis sich wünscht, scheint ihr ein universeller Wunsch zu sein. Über die das Männliche brechende Versuchsanordnung in 13 Geschichten hinaus bietet ihr das Buch Sex- und Naturschilderungen in allen Variationen, mal grandios, mal etwas zu programmatisch, findet die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2016

Wie das Leben selbst, kompliziert und herrlich, findet Andreas Platthaus Antje Ravic Strubels neues Buch, einen Episodenroman, der das Liebesleben von acht Personen über ein Jahrzehnt hinweg beobachtet, leitmotivisch genial komponiert, wie Platthaus feststellt, sodass am Ende nach sorgfältiger Lektüre doch ein Ganzes entsteht. Das so sichtbar werdende Kompositionstalent der Autorin scheint Platthaus bemerkenswert. Und auch sprachlich findet er das Buch überzeugend. Inhaltlich gefällt ihm, dass Ravic Strubel das Thema Partnerschaft in all seiner zeitgemäßen Vielfalt angeht und die Leserin mit unterschiedlichen Szenerien beglückt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.03.2016

Äußerst wertvoll findet es Rezensentin Carola Ebeling, wie Antje Rávic Strubel an einer klischeelosen Sprache für erotische Erfahrungen und Konstellationen arbeitet. Das Thema Erotik bilde bei Strubel nicht nur episodisches Material, vielmehr bedinge "das Fließen der Körper" bei ihr die erzählerische Struktur, erklärt die Kritikerin. Die Eindeutigkeit der zugewiesenen Geschlechterrollen verliere sich dabei zusehends, überhaupt sei der Roman an heteronormativen Vorstellungen von Sexualität allenfalls ferner interessiert. Auch deshalb erweist sich Strubel in Ebelings Augen einmal mehr als "leidenchaftliche Erforscherin der 'menschlichen Natur'". Dass sie als solche auf übliche Vokabeln verzichtet, empfindet die Kritikerin zudem als literarische Bereicherung des (Trans-)Genderdiskurses.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.03.2016

Hymnisch bespricht Tilman Krause Antje Ravic Strubels neuen Roman, der ihm als "erotische Delikatesse" über sexuelle Minderheiten erscheint. Der Autorin gelingt Bemerkenswertes, versichert der Kritiker: Subtil, bisweilen herrlich altmodisch von Liebesgeschichten unter Frauen zu erzählen, ohne dabei je in den "scheußlichen" LGBT-Jargon zu verfallen, schreibt Krause, der sich der Sogkraft von Strubels kühler, mit kleinen Gesten große Gefühle ausdrückender Sprache nicht entziehen kann. Insbesondere verfällt der Kritiker den brillant inszenierten Dreierkonstellationen von Strubels geheimnisvoll faszinierenden Paargeschichten, die explizit, aber nie pornografisch von lesbischen Liebesspielen berichten.
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