Anthony Powell

Eine Frage der Erziehung

Ein Tanz zur Musik der Zeit. Band 1. Roman
Cover: Eine Frage der Erziehung
Elfenbein Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783941184367
Gebunden, 256 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Heinz Feldmann. Der zwölfbändige Zyklus "Ein Tanz zur Musik der Zeit" - aufgrund seiner inhaltlichen wie formalen Gestaltung immer wieder mit Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" verglichen - gilt als das Hauptwerk des britischen Schriftstellers Anthony Powell und gehört zu den bedeutendsten Romanwerken des 20. Jahrhunderts. Inspiriert von dem gleichnamigen Bild des französischen Barockmalers Nicolas Poussin, zeichnet der Zyklus ein facettenreiches Bild der englischen Upperclass vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die späten sechziger Jahre. Aus der Perspektive des mit typisch britischem Humor und Understatement ausgestatteten Ich-Erzählers Jenkins - der durch so manche biografische Parallele wie Powells Alter Ego anmutet - bietet der "Tanz" eine Fülle von Figuren, Ereignissen, Beobachtungen und Erinnerungen, die einen einzigartigen und aufschlussreichen Einblick geben in die Gedankenwelt der in England nach wie vor tonangebenden Gesellschaftsschicht mit ihren durchaus merkwürdigen Lebensgewohnheiten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2016

Tobias Döring hebt besonders die Eleganz hervor an Anthony Powells Gipfeltext des zwanzigsten Jahrhunderts, genauer aus der Zeit zwischen 1951 und 1976. Das vielbändige Werk, nun endlich auf Deutsch und laut Döring in tadelloser Übersetzung in den ersten fünf Bänden vorliegend, scheint ihm ein vergessenes Juwel, ein Gesellschaftspanorama, epochal an Umfang und Könnerschaft. Wer allerdings schnell zur Sache kommen will, dem kann er den Roman nicht empfehlen. Powells Kunst kennzeichnet gerade das Mäandernde, ständig Wechselnde der Konstellationen, das Ungesagte auch und die Diskrepanz zwischen Anlass und Bedeutung, meint er. Feinsten sozialen Bewegungen spürt der Text laut Döring nach, verzichtet aber immer wieder auf das Auserzählen zentraler Szenen und Wendungen. Vielstimmig erzählt der Autor zwar, aber im diskreten Kammerton, so der Rezensent weiter, der sich dem Sog des Ganzen nicht entziehen konnte noch wollte, auch wenn das Geschehen, Lehrjahre im England der Zwischenkriegszeit, doch eher ereignisarm bleibt, wie Döring schreibt.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.03.2016

Anthony Powells Zyklus "Ein Tanz zur Musik der Zeit" ist der Schlüssel zum Verständnis der Insel, beschreibt Mara Delius. Powells Romane sind die Chroniken des englischen zwanzigsten Jahrhunderts überhaupt, so die Rezensentin. In ihnen wird das erdrückende Erbe eingefahrener Tradition als "Stimmung ewiger Determiniertheit" erlebbar, die feinen Unterschiede, die das Sozialgefüge horizontal wie vertikal durchziehen, die Innen- und Außenwahrnehmung des ehemaligen Imperiums, der tägliche Inselalltag, fasst Delius zusammen. Die unterschwelligen Differenzen der Sprache lassen sich sicherlich nicht vollständig im Deutschen erhalten, weiß die Rezensentin, aber sie lobt den Übersetzer Heinz Feldmann für sein Gespür für Subtiles.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.01.2016

Endlich sind die ersten vier Teile von Anthony Powells virtuosem, zwischen 1951 und 1975 entstandenem Romanzyklus "Ein Tanz zur Musik der Zeit" auch auf Deutsch erschienen, jubelt Rezensent Michael Maar. Größter Dank gebührt dabei dem Verlag, der sich in prächtig gestalteten Bänden endlich des Werks annimmt und dem Übersetzer Heinz Feldmann, der Powells latinisiertes und verrätseltes Englisch gekonnt, mit exzellentem Gespür für Rhythmus und Tonart ins Deutsche überträgt, betont der Kritiker, der sich bestens mit den feinsinnigen Szenen und dem herrlich komischen Charakterensemble des "englischen Proust" amüsiert. Einfach "göttlich" erscheint dem Rezensenten der Autor, dem er hier an der Hand des Ich-Erzählers Nicholas Jenkins durch das England von 1910 bis 1970 folgt, den zweiten Weltkrieg aus englischer Sicht erlebt und sich mit den Eigenarten des Adels und der Boheme vergnügt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.11.2015

Anthony Powell war vom Scheitel bis zur Sohle ein englischer Tory, stellt Andreas Isenschmid klar. Seine Romane sind nichts anderes als in Fiktion verwandelte Upperclass-Memoiren, im Tode einer anekdotischen, spitz-ironischen Club-Konversation, ohne erkennbare Handlung. Und Isenschmid liebt das: Schlichtweg großartig, unwiderstehlich findet er die Romane um den Internatszögling Nick Jenkins, der im Laufe der zehn Bände von Hunderten von Figuren erzählt, denen er auf Parties, bei Abendessen oder Ausflügen aufs Land begegnet ist. Was den Rezensenten neben dem minimalistischen Stil besonders für Powell einnimmt, ist sein von grenzenloser Neugier angetriebener Geist, der viel wissen wolle, gern auch das Seltsame und Exzentrische, aber eben nicht alles. Er kann auch Dinge sein lassen. Vor allem den Liebhabern langer Romanreisen kann Isenschmid das Werk empfehlen: Als Geschichtsschreibung besser als Balzac, weniger überfrachtet als Proust und natürlich lange nicht so exhibitionistisch wie Knausgard. Ausdrücklich lobt Andreas Isenschmid den Wagemut des Verlegers Ingo Drzecnik, der die ersten vier von zehn Bänden gestemmt hat, sowie die elegante Übersetzung Heinz Feldmanns.