Julian Barnes

Arthur & George

Roman
Cover: Arthur & George
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2007
ISBN 9783462037067
Gebunden, 528 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Das Leben von Arthur Conan Doyle und ein berühmter Justizskandal des späten 19. Jahrhunderts bilden den Hintergrund für diesen großartigen historischen Roman von Julian Barnes, in dem er Fragen nach der Bedeutung von Schuld und Unschuld, Identität und Abstammung, Glauben und Wissen stellt, die heute noch ebenso aktuell sind wie damals.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.07.2007

Der Unschuldige als Opfer eines übermächtigen Polizei- und Justizapparats, das ist guter Stoff für gute Gesellschaftsromane, notiert Uwe Pralle. Und so kann er sich auch kaum jemanden vorstellen, der nicht beeindruckt wäre von der "epischen Wucht", die sich entfaltet, wenn Julian Barnes beschreibt, wie der junge Anwalt George Edalji vor Gericht und dann ins Gefängnis befördert wird. Arthur Conan Doyle hat sich damals tatsächlich des Falles angenommen und schließlich die Unschuld Edaljis bewiesen. Barnes reichert diese Handlung noch mit den parallel dazu montierten Lebensgeschichten von Doyle und Edalji an, was insgesamt einen "intelligent komponierten" Roman ergibt, wie Pralle festhält. Weitere Wertungen über den "subtilen" Erzähler Barnes oder das Buch sind von Pralle aber nicht zu bekommen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.05.2007

Dramaturgisch meisterhaft aufgebaut hat Julian Barnes seinen historisch verbürgten Fall vom Sherlock Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle, der es unternimmt, einen Rechtsanwalt indischer Herkunft gegen falsche Anschuldigungen zu verteidigen, preist ein begeisterter Dieter Hildebrandt in seiner Rezension. In seinem Doppelporträt des erfolgreichen britischen Arztes Doyle und dem schon seit Kindheit diskriminierten George Edalji, deren Biografien in kurzen Abschnitten gegeneinander gestellt werden, beleuchten sich die unterschiedlichen Figuren gegenseitig und gewinnen so Lebendigkeit und Kontur, lobt der Rezensent. Wenn er auch dezent bemängelt, dass das Interesse am "Fall" mit seinem Willen zur Spannung - hier kommt der Krimiautor durch, als der Barnes unter dem Pseudonym David Kavanagh schreibt - mitunter das "Niveau" des Buches etwas untergräbt, beklatscht er die Virtuosität, mit der Barnes die Doppelbödigkeit der englischen Gesellschaft entlarvt und lässt sich von der ironischen Zurückhaltung, mit der der Autor beispielsweise das erotische Doppelleben Doyles aufdeckt, einnehmen. Überzeugt zeigt er sich auch von der Übersetzung ins Deutsche durch Gertraude Krueger, die er deshalb als Glück preist, weil sie hier an ihre Übersetzung von Barnes Roman "Metroland" anknüpfen kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2007

Rezensent Oliver Jungen lobt Julian Barnes' neuen Roman über einen historischen Kriminalfall im spätviktorianischen England in den höchsten Tönen. So würdigt er die Geschichte über den in einem überaus zweifelhaften Indizienverfahren zu Unrecht verurteilten indischstämmischen Engländer George Edalji, der den berühmten Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle bittet, seine Unschuld zu beweisen, als "Glanzstück der Erzählkunst". Dabei hebt er den Aspekt der fremdenfeindlichen Strömungen in der Gesellschaft hervor, den Barnes thematisiet. In erster Linie aber liest er das Buch als hinreißende Doppelbiografie der beiden Protagonisten. In diesem Zusammenhang preist er auch das psychologische Einfühlungsvermögen von Barnes, seine sorgfältigen Recherchen und seine Erzählweise, die ihm "wunderbar leicht" scheint. Außerdem entdeckt er zwischen Barnes und Doyle Parallelen, was ihn nicht weiter wundert, schließlich hält er die beiden englischen "Gentleman-Autoren" für "Seelenverwandte auch im Poetischen".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007

Lothar Müller erkennt in dem bislang dicksten Roman von Julian Barnes über einen historisch belegten Kriminalfall ein erhellendes Werk über das spätviktorianische England und hat ihn als solchen mit großem Gewinn gelesen. Der Autor erzählt von der Anklage eines indischstämmigen, englischen Rechtsanwalts, der wegen eines Verbrechens verurteilt wird und sich an Sir Arthur Conan Doyle wendet - den Autor der berühmten Sherlock-Holmes-Romane, um seine Unschuld zu beweisen und vollständig zu rehabilitiert zu werden. Während Conan Doyle mit allen kriminalistischen Methoden daran geht, den Fall neu aufzurollen, verweigere Barnes allerdings sämtliche Genremerkmale des Krimis und versenke sich stattdessen selbst detektivisch in die Kultur der Zeit, so der Rezensent fasziniert. Müller preist die genauso einfache wie kunstvolle Erzählweise, die die Biografien der beiden Protagonisten nach dem "Reißverschlussprinzip" nebeneinander stellt, und ist von diesem Porträt der spätviktorianischen Gesellschaft Englands begeistert.
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