Mit Sigmund Freud lässt sich das 20. Jahrhundert erzählen: Er war der Erforscher des Unbewussten, ein Bürgerschreck, dessen Lehren über Verdrängung, Neurosen und die Macht der Träume unseren Blick auf das menschliche Dasein verändert haben. Nirgendwo wurde seine Lehre so heftig diskutiert wie in Deutschland. Die einen feierten Freud als Befreier von bürgerlichen Moralvorstellungen, die anderen beklagten seine Lehre als rationales Aufklärungsprojekt, das der deutschen Seele zutiefst fremd sei. Anthony D. Kauders legt in seinem Buch die Deutschen auf die Couch: Wie haben sie auf Freud und seine Ideen reagiert? Was verraten die Reaktionen über ihr Verhältnis zur Sexualität, zur Gewalt und die Vorstellungen vom "bürgerlichen Ich", von Ohnmacht und Selbstbestimmung? Und wie haben sich die Einstellungen zur Psychoanalyse im Verlauf des 20. Jahrhunderts verändert?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2014
Oha, Eberhard Rathgeb sucht die deutsche Seele. Das geht nicht ohne Reibereien ab. Zumindest hat der Rezensent mit Anthony D. Kauders und seinem Buch so seine Schwierigkeiten. Dass der Autor gleich die gesamte Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland aufschreiben will und ein Gesellschaftsporträt dazu, hält Rathgeb für mutig, wenn nicht vermessen. Etwas weniger, straffer, behutsamer, findet er, wäre die bessere Vorgehensweise gewesen. Das fordernde Über-Ich des Autors, so vermutet Rathgeb, hat das verhindert.
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