Aus dem Französischen von Maria Hoffmann-Dartevelle. In Tokio steht das Kirschblütenfest bevor, als sich die Havarie im Atomkraftwerk Fukushima ereignet. Nach mehreren Explosionen werden radioaktive Strahlenwerte gemessen, die denen von Tschernobyl nicht nachstehen. Daniel de Roulet hat selbst in einem Kernkraftwerk gearbeitet und befasst sich in seinen Büchern seit langem kritisch mit der Atomenergie. Er verfolgt die Katastrophe in Japan geschockt und schreibt einen sorgenvollen Brief an seine japanische Freundin Kayoko, mit der er vor genau einem Jahr in Tokio zusammen war. Kernkraftwerke sind für Daniel de Roulet Ausdruck der Maßlosigkeit und stehen in ihrem Zynismus den Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts nicht nach. Das Erschreckende: Wir wussten um das tödliche Potential der Atomkraft und haben den Wahnsinn trotzdem zugelassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2011
Eher verhalten äußert sich Oliver Jungen über Daniel de Roulets Text "Fukushima mon amour". Er sieht in Roulet einen "Entrüstungsfachmann", dessen Text, ein Brief an eine japanische Freundin nur wenige Tage nach der Katastrophe, der Devise aktueller Empörungsmanifeste folgt: Zeit sich zu entrüsten. Die Überlegungen Roulets findet er durchaus "bedenkenswert", die Formulierungen nicht kunstlos. Trotzdem kann er sich für "Fukushima mon amour" nicht wirklich begeistern und empfiehlt zur Lektüre lieber Elisabeth Filhols beklemmenden Roman "Der Reaktor".
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