Anne Tyler

Die störrische Braut

Roman
Cover: Die störrische Braut
Albrecht Knaus Verlag, München 2016
ISBN 9783813506556
Gebunden, 224 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sabine Schwenk. Kate Battista ist frustriert. Wie kommt es eigentlich, dass sie ihrem exzentrischen Vater brav den Haushalt führt und sich um ihre jüngere Schwester Bunny kümmert, die nur Flausen im Kopf hat? Auch in ihrem Kindergartenjob gibt es immer nur Ärger. Professor Battista hat andere Sorgen. Seit Jahrzehnten widmet er sich beharrlich seiner Forschungsarbeit, nun steht er kurz vor dem Durchbruch. Wenn, ja wenn sein brillanter Assistent Pjotr nicht des Landes verwiesen wird. Die Aufenthaltsgenehmigung des Weißrussen läuft bald ab. Als Professor Battista einen Plan ausheckt, um Pjotr in Amerika zu halten, verlässt er sich wie immer auf seine ältere Tochter. Doch Kate sieht rot - und Pjotrs tollpatschiges Werben um ihre Gunst macht die Sache erst einmal auch nicht besser.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.11.2016

Zum Hauptwerk der, wie sie findet, großartigen amerikanischen Schriftstellerin Anne Tyler möchte Rezensentin Sylvia Staude "Die störrische Braut" zwar nicht zählen, aber eine "heitere, unkomplizierte" Lektüre bietet diese Bearbeitung von Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" allemal. Als eine von acht Autoren hat sich Tyler dem Projekt des Hogarth Verlags zur Neubearbeitung shakespearescher Stoffen angeschlossen und diese Komödien gewählt, die es ihr sicher nicht leicht gemacht hat, da sie doch nahe legt, eine Frau, die nicht heiraten wolle, müsse gezähmt werden, so Staude. So ganz plausibel kann sie dann doch nicht erklären, warum die Tochter eines erfolgreichen Wissenschaftlers sich relativ schnell für dessen brillanten Assistenten entscheidet, der ihr anempfohlen wird, lesen wir, aber das fällt für Staude kaum ins Gewicht. Eine "Liebeskomödie in Romanform", mit einem Hauch von Ironie verfeinert - die Rezensentin genießt und ist zufrieden.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.11.2016

Hat sich Rezensent Alexander Menden zunächst skeptisch gegenüber dem Shakespeare-Projekt der Londoner Hogarth Press gezeigt, ändert sich seine Haltung nach der Lektüre der bisher erschienenen Roman-Bearbeitungen von Shakespeares Stücken. Margaret Atwood schafft es in ihrer humorvoll modernisierten Variante von "The Tempest", der verschachtelten Struktur der Vorlage einen Zweck zu geben, lesen wir, Anne Tyler meistert die Herausforderung, mit "The Taming of the Shrew" ein "hoffnungslos zeitverhaftetes" Stück virtuos in eine höchstens etwas zu märchenhafte Gegenwart zu versetzen, Jeanette Winterson hingegen hält leider scheinbar nicht viel vom Märchen, formt dafür aber die Figuren aus "Winter's Tale" zu umso plastischeren Protagonisten, was auch ihren schnörkellosen Roman zu einem "befriedigenden Leseerlebnis" macht, und Howard Jacobson kümmert sich nicht groß um die Handlung und macht aus "The Merchant of Venice" kurzerhand einen faszinierenden philosophischen Dialog-Essay über das Jüdischsein. Nach solch gelungenen Versuchen kann sich Menden nun uneingeschränkt auf nachfolgende Erscheinungen der Reihe freuen, denn gerade weil diese vier Romane sich in Stil und Herangehensweise so stark unterscheiden, beleuchten sie jeder für sich eine andere Seite von Shakespeares vielschichtigem Schaffen.
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