Charles Simmons

Belles Lettres

Roman
Cover: Belles Lettres
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406509704
Gebunden, 183 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Klaus Modick. Übersetzung der Sonette von Ulrike Draesner. Frank Page, der Ich-Erzähler in Charles Simmons' neuem Roman, der eigentlich nur eine Seminararbeit über die seit den 50er Jahren wöchentlich erscheinende, renommierte Literaturzeitschrift Belles Lettres verfasst hat, wird in der Folge selbst dort Redakteur und erlebt die zwiespältige Wirklichkeit hinter der edlen Fassade. Die schwerreichen, aber nicht gerade belesenen Inhaber, die über ein ganzes Arsenal von Zeitschriften gebieten, wechseln nach völlig inhaltsfernen Gesichtspunkten die Chefredakteure aus, eine Sekretärin will Rezensentin werden und wird rechtzeitig auf einen hochbezahlten Posten bei einer anderen Zeitschrift weggelobt, eine Liste der 25 bedeutendsten Autoren Amerikas wird nach geradezu karnevalesken Gesichtspunkten zusammengestellt und erregt dann weltweit Aufsehen. Aber der Höhepunkt ist erreicht, als neun bislang unbekannte Sonette Shakespeares auftauchen, die auf die schwierige Frage, ob Shakespeare schwul war, eine ziemlich eindeutige Antwort geben.

Im Perlentaucher: Rezension Perlentaucher

Charles Simmons' "Belles Lettres" ist eine Satire auf den Literaturbetrieb. Sie erschien 1987 in den USA, und man merkt ihr an, wie neu die Nähe zum Showbusiness dem Erzähler noch ist. Man könnte leicht sagen, es sei alles noch schlimmer geworden. Wir wissen inzwischen: Nichts schadet dem Erfolg einer literarischen Zeitschrift so sehr wie ihre literarische Qualität. Jedenfalls sehen das die Damen und Herren in den die Zeitschriften verlegenden Verlagen so. In vielen Fällen vertritt der Chefredakteur den gleichen Standpunkt. Er ist dazu da, die Interessen des Verlages in der und wenn nötig gegen die Redaktion zu vertreten. Er ist auch nur Chefredakteur, so lange er das tut. Simmons' Satire ist - wie Satire fast immer - naiv. Sie hat etwas von einem Primanerscherz. Die aufgeweckten, schlauen Burschen stellen ihrem Chef eine Falle, und der muss gehen. Die Wahrheit aber ist: Kein Chefredakteur, der auf ein falsches Shakespeare-Sonett hereinfällt, muss gehen...
Lesen Sie mehr in Arno Widmanns 'Vom Nachttisch geräumt'

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.11.2003

Charles Simmons' Satire auf den Literaturbetrieb erschien in den USA bereits im Jahr 1987 und so ganz will sie Günter Ohnemus nicht mehr in unsere Zeit passen. "Die Jobs purzeln, die Honorare fallen", unkt er und empfiehlt die erneute Lektüre von Balzacs "Verlorenen Illusionen", die ihm offensichtlich mehr Bestand zu haben scheinen als Simmons "Belles lettres". Der Autor hat mit Sicherheit einen Schlüsselroman auf die New Yorker Literaturszene geschrieben, schwant es Ohnemus, da Simmons viele Jahre Redakteur bei der "New York Times Book Review" war - nur dass ihn als solcher hier kaum einer entziffern oder er den Lesern mittlerweile egal sein kann, vermutet der Rezensent. Am besten gefällt Ohnemus der Roman an den Stellen, an denen die fiktiven Romanfiguren über echte Schriftsteller herziehen, etwa wenn auf der Redaktionskonferenz verhandelt wird, wer nun Mailers neuen schwergewichtigen Roman besprechen könne. Doch häufig findet er "Belles lettres" eher "blöde", und auch der Gag mit den Shakespeare-Sonetten, die eine angebliche Homosexualität Shakespeares belegen sollen, muss dem Erfinder der Sonette mehr Spaß gemacht haben als dem Leser, glaubt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2003

Wem der illustre Literaturbetrieb schon immer suspekt war, der wird hier voll auf seine Kosten kommen, so Kristina Maidt-Zinkes Resümee. Sie hat sich jedenfalls prächtig amüsiert bei der Lektüre des jetzt nach 16 Jahren ins Deutsche übersetzten Romans von Charles Simmons, der die Gepflogenheiten in Verlagshäusern gnadenlos offen lege. Am Beispiel der Redaktion eines fiktiven Literaturmagazins werden "kuriose Profilierungsversuche intellektueller Flachbohrer" und die "literaturpolitische Macht erotischer Verstrickungen" auf das Amüsanteste auseinandergelegt, so die begeisterte Rezensentin. Dazu auch noch gut übersetzt, sei dieses Werk also ein Genuss für alle, die dieses "delikate und windige Gewerbe" jenseits seiner "noblen Ziele" entlarvt sehen wollen. Und die Shakespeare-Fälschungen des Protagonisten haben Maidt-Zinke sogar "Lust gemacht, selber mal einen betriebsentlarvenden Blödsinn in die viel zu ernste Literaturwelt zu pflanzen"...
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.10.2003

Der Roman sei mehr als eine gelungene Insider-Satire auf den amerikanischen Literaturbetrieb, behauptet Michael Schmitt, auch wenn der Autor seine Vergangenheit als Redakteur der "New York Times Book Review", sagen wir mal, gewinnbringend genutzt hat. Also besitzt er das nötige Quantum an Bürointrigen, jongliert sich durch Namen und Schrullen aller maßgeblichen amerikanischen Schriftsteller, gestattet sich einen höchst ungebildeten Chefredakteur und hintertreibt einen vermeintlichen literarischen Knüller, der sich auf unbekannte Shakespeare-Sonette stützt. Hier tritt nun Simmons als "begnadeter literarischer Spieler" auf den Plan, rühmt Schmitt, der mit seinen allesamt erfundenen Sonetten des großen Engländers (übertragen übrigens von Ulrike Draesner, während Klaus Modick den Prosateil übersetzte) ein exquisites Spiel spiele. Wer meint, mit Balzacs "Verlorenen Illusionen " die endgültige Journaille-Satire gelesen zu haben, der täusche sich, warnt Schmitt: Was sei der Salonzynismus Balzacs gegen die Absichten der Medienkonzerne, ihre Blätter ins Gespräch zu bringen? Das sei die eigentliche Pointe des Buches, gesteht Schmitt, dass es allen Unkenrufen zum Trotz immer noch weiter geht. "Wie bei Hegels Weltgeist", setzt der gebildete Rezensent hinzu.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.09.2003

Diese kleine leichte schmackhafte Satire über den amerikanischen Literaturbetrieb erschien bereits 1987 in den Vereinigten Staaten, berichtet Gerrit Bartels. Ihr Autor, Charles Simmons, war selbst jahrzehntelang Redakteur der New York Times Book Review, so dass durchaus ein Schlüsselroman der New Yorker Szene zu vermuten ist, meint Bartels. Doch der zeitliche wie räumliche Abstand lasse die deutschen Leser erst gar nicht nach lebenden Vorbildern suchen, sondern diesen "dahinschwebenden" Roman einfach so genießen, der die Intrigen um eine von einer Literaturzeitschrift aufzustellenden Bestenliste amerikanischer Autoren schildert. Klaus Modicks Übersetzung findet Bartels auch gelungen, so dass ihm am Ende bei soviel Lob nur der kleine Hinweis übrig bleibt, er sei vom Verlag keineswegs mit einem Abendessen bestochen worden. Seine Begeisterung klingt echt, auch wenn Simmons an der Profession der Literaturkritiker mit Sicherheit einiges zu beanstanden beziehungsweise zu persiflieren weiß.