Anne Haeming

Der gesammelte Joest

Biografie eines Ethnologen
Cover: Der gesammelte Joest
Matthes und Seitz, Berlin 2023
ISBN 9783751804004
Gebunden, 303 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Ein Ruder aus Guyana, eine Flechtkiste aus Sulawesi, ein Perlengürtel von der Ilha de Moçambique, ein Album voller Visitenkarten, Zeitungsschnipsel: alles Objekte, die das Leben von Wilhelm Joest spiegeln: 1852 geboren war er einer der vielen Reisenden, Sammler und Fotografen des 19. Jahrhunderts. Als wohlhabender unabhängiger Forscher mit eigenen Interessen und Sammlungsbegründer des Rautenstrauch-Joest-Museums in Köln war er Teil des Netzwerks um den Gründungsdirektor des Berliner Museums für Völkerkunde Adolf Bastian und den Universalgelehrten Rudolf Virchow. Joest selbst war einer aus der zweiten Reihe, getrieben davon, immer nur weg zu wollen - und sich vor allem nicht zu langweilen. Erst mit 30 fand er in der Ethnologie endlich einen Grund, dieses Leben zu leben: Er reiste, sammelte Objekte, forschte - und schrieb darüber. In seinen dichten Tagebüchern, in Reportagen, die er von unterwegs an Zeitungen schickte, Reisebüchern, die zu Bestsellern wurden, und in Briefen und sorgfältig recherchierten wissenschaftlichen Texten. 1896 brach er auf in die Südsee, auf unbestimmte Zeit. Ein Jugendtraum. Von dieser Reise sollte Joest nicht mehr zurückkehren. Anne Haeming skizziert ein multiperspektivisches Bild eines Mannes und seiner von Widersprüchen und imperialem Machtstreben bestimmten Zeit. Sie erzählt ein Leben zwischen Reisen, Forschen, Sammeln und dem Berliner Alltag zwischen Museum, Auktionshaus, Kneipen und Tiergartenviertel. Dabei lenkt sie den Blick auf die tragischen Zusammenhänge von Kolonialismus, ethnografischen Objekten, Karrierismus und Nationalpolitik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2023

Interessiert liest Rezensentin Katja Geisenhainer diese von Anne Haeming verfasste Biografie über den Ethnologen Wilhelm Joest.  Der 1852 geborene Kölner Joest bereiste alle Kontinente und trug währenddessen eine Vielzahl an Ethnographika zusammen, die er schließlich seiner Schwester vermachte, lesen wir. Haeming ordnet das Handeln des Ethnologen kritisch ein, dessen Frauenfeindlichkeit ebenso wie die geringe Achtung gegenüber anderen Kulturen, erinnert Geisenhainer. Haeming folgt Joests Biografie dabei nicht chronologisch, sondern anhand der verschiedenen Objekte, erklärt die Rezensentin, die mit dieser Vorgehensweise ebenso wie mit dem lückenhaften Satzbau ein wenig Mühe hat. Zugleich mache Haeming die Probleme der Provenienzforschung offensichtlich, so die Rezensentin. Dem Sammelband mit von Haeming und Carl Deußen herausgegebenen Texte des Ethnologen kann Geisenhainer deutlich weniger abgewinnen, zu oft wird pauschal geurteilt, viele Texte sind verzichtbar, schließt Geisenhainer.

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