Aus dem Amerikanischen von Melanie Walz. "Ex Libris" schildert eine lebenslange Liebesaffäre mit Büchern und Sprache. Für Anne Fadiman wie für so viele andere leidenschaftliche Leser sind die Bücher, die sie liebt, selbst zu Kapiteln ihres Lebens geworden. Sie verbindet Anekdoten über Coleridge und Orwell mit Geschichten ihrer eigenen pathologisch literaturbesessenen Familie. Als jemand, die sich erst richtig verheiratet fühlte, als sie, nach fünf Jahren Ehe, endlich ihre Bibliothek mit der ihres Mannes zusammenführte, ist sie bestens gerüstet, um über ihre liebsten Bandwurmwörter, über das Wesen der Widmungen auf Schmutztiteln, über ihr perverses Vergnügen am ständigen Korrekturlesen und über den wörtlich zu nehmenden Appetit auf Bücher ihres einjährigen Sohnes zu räsonieren.
Voll satter Leserglückseligkeit ist Rezensent Michael Naumann nach einer offensichtlich ausgesprochen innig verlaufenden Begegnung mit diesem Buch. Seine Autorin feiert er als "bibliophil-bibliomane" und dabei auch noch selbstironische Gelehrte und Essayistin. Mit Vergnügen ließ er sich in deren Wahn einführen, jedes auch noch so kleine und unbedeutende Papier lesen zu müssen, und wenn es die Gebrauchsanweisung für eine Waschmaschine sei. Besonders lobt Naumann auch die große Heiterkeit, mit der das an sich schwerblütige Thema Buch hier behandelt wird. Anne Fadiman, seiner Auskunft zufolge Tochter "jenes Mr. Fadiman", der einst den amerikanischen "Book of the Month Club" gegründet habe, wünscht er schließlich "hunderttausend Leser".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2005
Ein bisschen suspekt sind Kristina Maidt-Zinke diese "Bekenntnisse einer Bibliomanin" von Anne Fadiman schon. Beinahe könnte man sagen, dass die Springlebendigkeit und unverwüstlich bibliomanische Heiterkeit der Essays von "Ex Libris" der Rezensentin ein Dorn im Auge sind. Reich ist das Themenangebot, so lobt sie zwar brav, Esprit gebe es zur Genüge, die Plaudereien der Verfasserin verlieren - typisch amerikanisch, meint die Rezensentin - nie die Bodenhaftung. Selbst die Balance zwischen Gelehrtheit und Lust am namedropping empfindet sie als gelungen. Und dennoch wird sie mit dem "Buchkuschelbrevier" spürbar nicht warm. Der Verdacht drängt sich auf, der Grund hierfür sei zu finden vor allem in der Beobachtung der Rezensentin, dass Fadiman über Bücher wie über lebende Wesen schreibt. Maidt-Zinke hätte da offenbar gerne mehr Distanz. Am Ende ist sie von den herbeizitierten Bücherfluten schier erdrückt und ächzt leise.
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