Reinhard Klimmts Welt ist nicht nur die der Politik. Als Sammler von Erstausgaben, Kunstbänden und Literatur der 20er und 30er Jahre und Besitzer einer Bibliothek mit mehr als 10 000 Bänden ist er ein echter "Homme des lettres". Er liebt fast vergessene Autoren wie den Lyriker Paul Zech und stöbert auf seinen Reisen mit Vorliebe in Antiquariaten. Und so hat er bei einem seiner Besuche in Amsterdam Grass' Treffen in Telgte im Gepäck, findet die Grundsatzfrage nach dem "Wie" unserer Herrschaft über die Natur in einer Ballade von Paul Zech beantwortet, spürt am Beispiel von Yvan Goll, Andre Weckmann oder Tomi Ungerer kulturellen Bigamien nach und steckt gleich die ganze Welt in die Tasche als Sammler von Taschenbüchern aus den ersten 25 Jahren der Bundesrepublik. Klimmts Kolumnen sind eine Verbeugung vor dem unendlichen Kosmos der Literatur, Früchte einer lebenslangen Liebesbeziehung zu bedrucktem Papier, ergänzt durch Holzschnitte seines Freundes Uwe Bremer.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.01.2007
Leicht wehmütig ist Julia Büttner über die Lektüre von Reinhard Klimmts Bücher-Kolumnen geworden, die dieses bibliophil aufgemachte, mit Holzschnitten von Uwe Bremer illustrierte Werk versammelt. Sie diagnostiziert bei dem Autor, dem einstigen Saarländischen Ministerpräsidenten, eine ernsthafte Büchersucht. Klimmts Kolumnen, die vom Buch als Liebhaberstück und Sammelobjekt erzählen, von der haptischen und olfaktorischen Faszination ledergebundener Erstausgaben und von Klassikern wie Henri Alain-Fourniers "Le Grand Meaulnes", wirken auf Büttner, zumal wenn sie an Googles Bücherprojekt denkt, "auf eine sentimental machende Art anachronistisch".
Mit "unverhohlener Begeisterung" legt Rezensent Michael Naumann dieses, vom Maler Uwe Bremer "verschönte" Werk seinen Lesern ans Herz. Seinen Autor, der einmal saarländischer Ministerpräsident war, feiert Naumann hymnisch als "Bibliomanen" und heftet sich bei seinem literarischen Gang durch die (offensichtlich hauseigene) Bibliothek begeistert an seine Fersen. Klimmt berichtet, wenn wir Naumann richtig verstehen, in seinem Buch nicht allein von seiner Manie, immer neue Bücher europaweit in Antiquariaten aufzutreiben. Er unternimmt offenbar auch einen so gelehrten wie unterhaltsamen Ausflug in die verschiedensten Ecken seiner Sammlung und lobt uralte Buchkunst sowie enzyklopädisches Wissen, weshalb Naumann an Ende voller Leserglückseligkeit diesen Autor mit "jenen großen Restaurantkritikern" vergleicht, deren Artikel "so nahrhaft sind wie die Speisen".
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