Ann Cotten

Verbannt!

Versepos
Cover: Verbannt!
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518071434
Kartoniert, 168 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Mit Illustrationen der Autorin. Tosende Palmen, ein Rascheln im Sellerie, ein Tiger verschwindet, in der Ferne detoniert eine Atombombe, und das Bewusstsein beginnt, rückwärts zu laufen. Es gehört einer Fernsehmoderatorin, die aufgrund wiederholten Fehlverhaltens auf eine einsame Insel verbannt wurde, ausgestattet nach eigener Wahl mit Messer, Schleifstein und Meyers Konversations-Lexikon. Doch sie ist nicht allein. Hier sind schon fünfundzwanzig Matrosen, die in den Jahren seit ihrem Schiffbruch eine beachtliche kleine Parallelgesellschaft aufgebaut haben, sie heißt Hegelland. Ursprünglich Quäker, hängen sie jetzt der selbsterfundenen Schraubenreligion an und unterhalten in arbeitsamer Kulturleistung drei Pressen von kontinuierlich steigender Druckqualität. Was wird nun angesichts der ersten Frau passieren, und was, wenn mehr kommen? In 399 Neo-Spenser-Strophen schildert Ann Cotten die Turbulenzen, die nach einer weiblichen Flüchtlingswelle aus dem Internet in Hegelland entstehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2016

Für seine Mühen bei der Lektüre von Ann Cottens Versepos "Verbannt" fühlt sich Rezensent Roman Bucheli reichlich entlohnt durch die überbordende Poesie, die sprachliche Raffinesse und bizarre Komik, die Cotten, eine Meisterin der Sprachkunst, hier an den Tag legt. Jegliche Art der Sinnstiftung sowie alle Denk- und Dichtverfahren der Postmoderne werden in diesem Epos dekonstruiert und auf schaurige Weise verspottet. Eine Schwäche erkennt der Rezensent jedoch in der inhaltlichen Redundanz, immer wieder wird man an den selben Punkt, die selben Leitgedanken zurück geführt. Allerdings, und da muss sich Bucheli dem begeisterten Rezensenten-Kanon anschließen, geht es schließlich weniger um den Inhalt, als um Cottens Sprache, die durchaus "zum Hirn hinauf duftet".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.06.2016

Ein gewisses Maß an Konzentration und Taktgefühl für sprachliches Tempo sind schon nötig, um die ganze Brillanz von Ann Cottens Versepos "Verbannt!" zu erfassen, meint Rezensent Tomasz Kurianowicz. Belohnt wird dies aber mit der Faszination großer, konventionsloser Literatur, verspricht der Kritiker, der mit Cotten eine aufregende "Karussellfahrt der Ideen" und Assoziationen unternimmt. Die Handlung erscheint ihm dabei beinahe nebensächlich, viel zu gebannt ist der Kritiker von Cottens Kunst, ihr klassisches, in Spenserstrophen gehaltenes Versschema mit der modernen Welt zu konfrontieren, dabei von Mythen ebenso zu erzählen wie vom Internet und vom Bierbrauen. Großartig auch, wie die Autorin die Komplexität ihrer Strophen immer wieder mit eigenwilligen Comicstrips unterbricht, lobt der Rezensent, der hier lernt, wie man "Wirklichkeit scratcht".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2016

Am liebsten würde sich Katharina Teutsch vor der Kritik von Ann Cottens Versepos "Verbannt" drücken. Denn die amerikanisch-österreichische Autorin spielt derart gekonnt mit Dekonstruktion, schreibt verschlungen und klug bis zur Naseweisheit, dass die Rezensentin kaum hinterher kommt. Dennoch taucht die Kritikerin mutig in dieses in "Pseudo-Spenser-Strophen" gehaltene Epos ein, versucht sich an einer Analyse im "Revuestil", erklärt Cottens Spielereien mit Pathos und gelegentlich unbeholfenen Jamben und wagt sich gar an ein inhaltliches Resümee der mit einer guten Portion Homer, Vergil, Keats, de Sade und Genet gewürzten 403 Strophen : Einer bisexuelle Moderatorin, die auf die Insel Hegelland verbannt wurde, wächst aus unerklärlichen Gründen ein Penis, worauf sie in einer Strafkolonie landet, Bier braut und von einem irischen Spion namens Pan Orama überwacht wird, informiert Teutsch. Cottens humorvolle Comicstrips haben der Rezensentin durchaus gefallen, ihre virtuose Pastiche-Kunst möchte sie aber lieber nur Kennern empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.04.2016

Ann Cottens Versepos "Verbannt!" ist eine "poetische Revolution", versichert Rezensentin Christina Lenz. Denn die 403 Strophen, die dem Reimschema des englischen Dichters Edmund Spenser folgen, sind provokativ, experimentierfreudig und sprengen alle Erwartungen an Literatur, lobt die Kritikerin. Es fordere allerdings einige Konzentration, sich dem "Hegelland" Cottens zu nähern. Zwischen philosophischen Anspielungen und Assoziationen aus der Kulturgeschichte von Ovid bis Benjamin taumelt Lenz durch das dicht gewebte Netz poetischer Ideen, dringt mit dem lyrischen Ich, einer Fernsehmoderatorin, in bisher unbekannte, fantastische Denkregionen vor und kann sich nicht mal an den ebenfalls von Cotten stammenden zwanzig Illustrationen dieses Bandes festhalten. Und doch muss die Kritikerin feststellen, dass ihr dieses "psychoseverdächtige Gleiten der Signifikate" so gut gefallen hat, dass sie kaum mehr in alte Denkmuster zurückkehren möchte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2016

Großes Vergnügen hatte Ina Hartwig an dem 403 Strophen langen Versepos von Ann Cotten. "Total abgefahren" lautet das Fazit der Rezensentin, die prognostiziert, dass das Werk in Zukunft noch viele Germanisten vor Herausforderungen stellen dürfte. Denn auf eine wirkliche Handlung lege es Cotten in "Verbannt!" gar nicht an, so Hartwig - trotzdem kann die Kritikerin die Geschichte um eine ins Exil auf eine Insel geschickte Fernsehmoderatorin halbwegs verständlich nacherzählen. Fortan entspinnne sich eine "Neo-Oper für postpostmoderne Internethippieamazonen", die zwar auch gewisse Längen habe, vor allem aber schräg, comichaft und mitunter sogar genial sei. Etwa wenn Cotten in einem Vers das Wort Europa in "Europ-/a" aufteile und damit auf Lacan anspiele. Zwar sei die Lektüre des Buchs, das die Autorin auch gelungen illustriert habe, bisweilen anstrengend, aber dabei in den Augen Hartwigs immer intelligent.
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