Angelika Neuwirth

Der Koran als Text der Spätantike

Ein europäischer Zugang
Cover: Der Koran als Text der Spätantike
Verlag der Weltreligionen, Berlin 2010
ISBN 9783458710264
Gebunden, 859 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Ist der Koran ein rein islamischer und damit uns fremder Text? Oder ist er nicht eher eine neue und eigenwillige Stimme in jenem Konzert spätantiker Debatten, in denen auch die theologischen Grundlagen der jüdischen und christlichen Religion gelegt worden sind? Nicht den Koran müssen wir aufgrund neuer Handschriftenfunde oder mit Hilfe linguistischer Experimente ummodellieren - unsere Perspektive auf den Koran müssen wir entscheidend ändern, wenn wir seine revolutionäre Neuheit in den Blick bekommen wollen. Angelika Neuwirth, Leiterin des Forschungsprojekts Corpus Coranicum - Textdokumentation und historisch-kritischer Kommentar zum Koran an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, liest den Koran als Text der Spätantike, einer Epoche, die auch für die europäische Kulturgeschichte formativ war. Der Koran wird so als ein vertrauter Text erkennbar, den wir unbeschadet zum "europäischen Erbe" rechnen könnten, trennten ihn nicht uralte Vorurteile von einer unvoreingenommenen Wahrnehmung. Mit diesem Band eröffnet Angelika Neuwirth ihre große kommentierte Koranausgabe, die ab 2011 im Verlag der Weltreligio­­nen erscheinen wird: Der Koran. Mit historisch-kritischem Handkommentar. Aus dem Arabischen übersetzt und kommentiert von Angelika Neuwirth.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.03.2011

Große Aktualität misst Wolfgang Günter Lerch der Arbeit von Angelika Neuwirth bei, der er Vertrautheit sowohl mit dem Koran als auch mit koranischer Orthopraxie attestiert. Das vorliegende Buch der Berliner Religionswissenschaftlerin und Arabistin gewährt ihm einen europäischen Zugang zu den 114 Suren des Koran, bietet ihm einen Überblick über die Geschichte der Koranforschung, über das ästhetische Element des Korans, Textgeschichte sowie analytische Klarheit gegen spekulativen Auslegungsversuchen. Auch über Bezüge zu jüdischer und christlicher Religion erfährt Lerch Wissenswertes und Streitbares, gibt aber zu bedenken, dass die Autorin in puncto Vorbildung des Lesers einiges voraussetzt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.03.2011

Stefan Weidner sieht in Angelika Neuwirths Studie zum Entstehungsprozess des Korans im Kontext der Spätantike an die deutsche Islamforschung von vor hundert Jahren angeknüpft und erhofft sich davon durchaus frischen Wind für künftige Islamdebatten. Indem die Autorin mit ihrer an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften geleiteten Koranforschergruppe eine genaue Textprüfung vornimmt und den Koran ungeachtet seiner späteren Entwicklung und Auslegung im historischen Kontext der europäischen Spätantike analysiert, betritt sie laut Rezensent Neuland. Denn der Blickwinkel erlaubt eine von späteren Veränderungen befreite Sicht auf den frühen Koran, so wie ihn zeitgenössische Gläubige verstanden haben müssen, so Weidner fasziniert. Insbesondere der dialogische Charakter des Textes, den die Forschungsgruppe herausarbeitet, lassen den Koran in direkter Auseinandersetzung mit dem Christentum erscheinen und demonstriert somit nicht , wie oft behauptet, einen "zivilisatorischen Rückschritt", wie der Rezensent betont. Weidner lobt das Buch unter anderem als einen Beitrag zu einer wissenschaftlich fundierten Islamkritik und er bedauert nur, dass Neuwirths Buch für den Laien nicht eben leicht zu verstehen ist und so wohl kaum eine breite Öffentlichkeit erreichen wird.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.01.2011

Durchaus kritisch hat Tilman Nagel diese große Untersuchung über den "Koran als Text der Spätantike" der Arabistin Angelika Neuwirth gelesen. Erhellend findet er die Ausführungen über die Redaktions- und Textgeschichte des Koran, über Kultentwicklung und Gemeindebildung, die sich im Koran widerspiegeln, über das Verhältnis von Koran und Bibel, den koranischen Blick auf die Poesie und die koranische Rhetorik. Dass es der Autorin um einen "europäischen Zugang zum Koran" geht, kann Nagel nachvollziehen. Neuwirths Behauptung, der Koran habe sich in einen "orientalisch-europäischen Text" verwandelt, der an der Entstehung des späteren Europa beteiligt war, betrachtet er indes sehr skeptisch, da ein Text nicht schon deshalb "europäisch" sei, weil er auf Judentum und Christentum Bezug nehme. Neuwirths Versuch, den Koran einzugemeinden, wirkt auf den Rezensenten recht "aufgesetzt". Die These einer latenten Verbindung Europas zum Koran kann die Autorin in diesem Buch für ihn jedenfalls nicht plausibel machen.
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