Angelika Klüssendorf

April

Roman
Cover: April
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2014
ISBN 9783462046144
Gebunden, 224 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Am Anfang stehen ein Koffer mit ihren spärlichen Habseligkeiten und ein Zimmer zur Untermiete. "Das Mädchen", das sich mittlerweile April nennt - nach dem Song von Deep Purple -, hat die Zeit im Heim hinter sich, die Ausbildung abgebrochen und eine Arbeit als Bürohilfskraft zugewiesen bekommen. Zwischen alten Freunden und neuen Bekannten versucht sie sich im Leipzig der späten 70er-Jahre zurechtzufinden, stößt dabei oft an ihre eigenen Grenzen und überschreitet lustvoll alle, die ihr gesetzt werden, am Ende mit ihrer Ausreise auch die zwischen den beiden Deutschlands. Aber jedem Ausbruch folgt ein Rückfall, jedem Glücksmoment eine Zerstörung, jedem Rausch die Ernüchterung. Und immer ist da die Frage nach den Kindheitsmustern, der Prägung durch die verantwortungslose Mutter und den alkoholkranken Vater.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.09.2014

Lohnt, die Lektüre, hat aber zerfasernde, wenig suggestiv wirkende Momente, meint Rainer Moritz zu Angelika Klüssendorfs neuem Roman, in dem die Moritz bereits bekannte Heldin zwar älter und reifer geworden ist, jedoch weiterhin als "scheues Wesen", ihre Umgebung erkundet. Moritz, der im Buch viel Autobiografisches vermutet, freut sich an der stilistischen Reife der Sprache, am spröden Ton, auch wenn es ihm der Text in seiner Unerbittlichkeit und Freudlosigkeit mitunter recht schwer macht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.03.2014

Ungemütlich findet Rezensent Jörg Magenau diesen neuen Roman von Angelika Klüssendorf, in dem sie die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die sich in der Welt - ganz gleich, ob diese Welt nun die DDR oder die BRD ist - nicht aufgehoben fühlt, weil ihr Zuneigung, Nähe und Liebe nur falsche Versprechen zu sein scheinen. "April", so heißen Protagonistin und Roman, April leidet also vor sich hin, nur im Lesen und Schreiben findet sie wirklich Freude, verrät der Rezensent. Viele der Stationen, die sie so durchläuft, teilt sie mit Klüssendorf selbst, was Magenau vermuten lässt, dass noch mehr Autobiografisches in diesem Buch steckt; auch deshalb fragt sich der Rezensent, wie die Geschichte im nächsten Band wohl weiter geht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2014

Begeistert vermerkt Rezensent Gustav Seibt, dass mit "April" nun ein Nachfolgeroman zu Angelika Klüssendorfs ausgezeichnetem Buch "Das Mädchen" erschienen ist. Abermals begleitet er hier die junge April, die, nachdem das erste Buch ihre Kindheit und Jugend in einem Kinderheim in der DDR der Siebzigerjahre beschrieb, sich inzwischen volljährig durch ihr Arbeits- und Sozialleben kämpft. Der Kritiker liest einen bewegenden Bildungsroman, in welchem sich die ebenso verletzliche wie unnahbare Protagonistin in verschiedenen Jobs, in der Psychiatrie, als junge Mutter und schließlich mit ihrer kleinen Familie nach der Ausreise in den Westen zu einer reifen jungen Frau entwickelt, die sich durch ihr außergewöhnliches Wahrnehmungsvermögen und ihre Flucht in Bücher immer wieder der harten Realität entzieht. Nicht nur Klüssendorfs "einfache und schöne" Sprache trägt dazu bei, dass der Rezensent diesen Roman nur wärmstens empfehlen kann.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.02.2014

Schon 2011, als Angelika Klüssendorfs Roman "Das Mädchen" unter den letzten sechs Kandidaten für den Deutschen Buchpreis war, wurde der Ruf nach einer Fortsetzung laut, erinnert sich Judith von Sternburg. Die ist jetzt erschienen - und gelungen, findet die Rezensentin. Inzwischen hat das Mädchen einen Namen, April, und ist eigentlich kein Mädchen mehr. Orientierungslos versucht sie sich als Ehefrau und Mutter, was ihr nicht so recht gelingen will, und auch mit der Gesellschaft um sie herum kann sie noch immer nichts anfangen, vergebens hofft sie auf verschworene Blicke, die verraten könnten, dass da noch jemand den sinnleeren, hirnverbrannten Mist nicht ernst nehmen kann, fasst die Rezensentin zusammen. Schließlich landet April in der Psychiatrie, die ihr beinahe lieber ist als die Welt da draußen, erklärt von Sternburg. Raus muss sie trotzdem, aber immerhin schafft sie es dann bis nach Sizilien, verrät die Rezensentin.