Bochum, Berlin und der letzte Sommer vor der Wende
Berlin, 1989. Fränge ist Anfang zwanzig und genießt das Leben in vollen Zügen. Freundinnen hat er gleich zwei: Marta im Westen und Rosa im Osten - die natürlich nichts voreinander wissen. Als Förster und Brocki aus Bochum zu Besuch kommen, macht das die Sache nicht einfacher, denn Rosa bringt auch bei Förster so einiges in Unordnung.
Die drei Freunde aus dem Ruhrgebiet erleben zwei Biotope in ihren letzten Monaten: die Subkultur Westberlins und die Dissidentenszene im Osten - junge Leuten wie sie, die gerade ihren ganz eigenen Aufbruch organisieren. Aber auch zu Hause im Ruhrgebiet ist nichts mehr wie es mal war. Film, Musik, Klubs und Kneipen - alles jung und in Bewegung. Da kann man sich ausgezeichnet streiten, welche Welt mehr zu bieten hat: die alte tief im Westen oder die hinter der Mauer am anderen Ende des Landes.
Frank Goosens neuer Roman ist eine Komödie über eine Zeit, in der es mehr Deutschlands gab, als man brauchte. Und über einen selbst ernannten "Weltenwanderer der Liebe" im geteilten Berlin - der aus guten Gründen nicht gerade scharf ist auf eine Veränderung der politischen Verhältnisse.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.05.2019
Rezensent Burkhard Müller geht das organisierende Prinzip (die Kraft des Männerbunds) des neuen, als Vorgeschichte seines Vorgängers "Förster, mein Förster" funktionierenden Romans von Frank Goosen mitunter auf die Nerven. Was drei Freunde in den späten 80ern und frühen 90ern in Berlin, im Ruhrgebiet und anderswo so treiben, vermittelt der Autor mal nah am Slapstickhaften, mal schön detailliert und atmosphärisch, meint Müller. Stark findet er vor allem die zeitgeistvollen Dialoge, die der Autor laut Müller mit besonderer Hingabe und Melancholie schreibt. Dass Autor und Erzähler sich sehr nahe sind, ahnt der Rezensent da unschwer.
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