Andrej Bitow

Leben bei windigem Wetter

Cover: Leben bei windigem Wetter
Suhrkamp Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783518225264
Gebunden, 154 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Russischen von Rosemarie Tietze. Eine Datscha, nicht weit, aber weit genug von der Stadt entfernt, ideal zum Arbeiten - das ist der Plan. Sergej, ein junger Schriftsteller und Vater, richtet sich dort mit seiner Frau und dem kleinen Sohn für die Sommerfrische ein. Von der Landpartie erhofft er sich die Muße, endlich in Ruhe schreiben zu können. Aber aus der Abwesenheit urbaner Zumutungen entsteht keine Konzentration, sondern eine andere Art der Unruhe, die ständig um das (Nicht-)Schreiben und seine äußeren Bedingungen kreist, um Nähe und Abgrenzung, Autonomie und Selbstorganisation. Den oft selbstironischen Alltagsbeobachtungen und -reflexionen des "Lebens bei windigem Wetter" werden die "Aufzeichnungen aus der Ecke" an die Seite gestellt - ein intimer Werkstattbericht, die Innenschau des Schreibenden, seine Notate zu Lüge und Wahrheit in der Literatur, zu Tod und Ungerechtigkeit, Traum und Wirklichkeit. Und so ergibt sich das Doppelbild eines jungen Mannes in den windigen Wettern zwischen Familienalltag und Werk.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2022

Rezensentin Sabine Berking erkennt in den beiden vorliegenden, von Rosemarie Tietze "kongenial" übertragenen Texten von Andrej Bitow aus dem Jahr 1963 die literarischen Idiosynkrasien des Autors wieder: ironische Spiegelei und Perspektivvielfalt. Die Geschichte um einen mit der Produktion hadernden Schriftsteller, der sich in einer Datsche einschließt, und die Tagebuchaufzeichnungen Bitows, in denen der Autor das Leben in der Diktatur thematisiert, liest Berking als Prosaminiaturen von düsterer Schärfe. Tietzes Nachwort und Anmerkungen helfen ihr, die Texte zeithistorisch und biografisch einzuordnen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 09.12.2021

Rezensent Jörg Plath freut sich über Andrej Bitows "Leben bei windigem Wetter", das nun erstmals in deutscher Sprache zu lesen ist. Der sowjetisch-russische Schriftsteller berichtet darin, wie er sich aus seiner Schreibblockade und den einengenden Vorgaben des literarischen Sozialismus befreit, erklärt der Rezensent. Seine Sprache ist Plath zufolge dabei nicht philosophisch, eher herumtreibend und manchmal auch konkret. Ähnlich scheint ihr auch das Nachwort der Übersetzerin Rosemarie Tietze, die, so der Rezensent, kurz aber inhaltsreich von den Lebensumständen des Autoren schreibe.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 03.12.2021

Rezensent Christoph Schröder sieht in Andrej Bitow einen unabhängigen Kopf und Autor. Wie Bitow in diesem zweiteiligen Roman die eigene Schreibkrise meistert, indem er seinem Helden, einem Schriftsteller mit Schreibblockade, über die Schulter schaut, findet Schröder genial. Einerseits "irrlichternde Erzählung" über den Helden und seine obsessiven (Natur-)Beobachtungen, andererseits traumartiges, vergrübeltes Tagebuch lässt sich der Roman laut Schröder durchaus politisch verstehen - als Verweigerung des "literarischen Koordinatensystems".